Glasfaser als neue Erlösquelle für Stadtwerke?
22 Aug. 2010 – 09:23 | No Comment

Stadtwerke – die Telekommunikationsanbieter der Zukunft?
Seit Ende 2009 haben die Berichte über Glasfaser-Aktivitäten von Stadtwerken in Deutschland vehement zugenommen. Der besondere Fokus der Diskussion liegt dabei auf glasfaserbasierten breitbandigen Internetzugängen für Privatkunden und nicht mehr …

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Breitband-Ausbau mit Leerrohr-Infrastruktur

Submitted by JK on 20 Sep. 2009 – 15:29No Comment

Parameter für den Breitband-Ausbau

Der Breitband-Ausbau in der Fläche wird heute in vielen Fällen durch eine fehlende Anbindung an schnelle Backbone-Netze behindert. Grundsätzlich sind zwei Komponenten für den leitungsgebundenen Breitband-Ausbau erforderlich. In jedem Fall muss die Übertragungstechnik erneuert und das heißt in den meisten Fällen ausgetauscht werden. Vor Ort erfolgt dies in den Kabelverzweigern, die als graue Kästen am Straßenrand das letzte aktive Netzelement vor dem Hausanschluss darstellen. Wenn der Ausbau zu einem ADSL Netz (mit maximal 16 MBit/s) erfolgen soll, können die bestehenden Kästen weiterverwendet werden. Erfolgt der Ausbau zum schnelleren (maximal 50 MBit/s), dann müssen die bisherigen Kästen ausgetauscht werden. Anstelle dessen werden etwas größere Outdoor-DSLAM Kästen installiert, die leicht an den Lüftungsschlitzen zu erkennen sind.

Die Erneuerung der Übertragungstechnik ist natürlich auch mit Kosten verbunden, die je nach Technik und Betreiber unterschiedlich ausfallen können. So ist auch die Rentabilität unterschiedlich. In der Regel sollten mindestens 200 bis 250 Haushalte, die an dem Kabelverzweiger angebunden sind, auf die höhere Bandbreite wechseln, damit sich der ausbau rechnet. Der Ausbau selber erfolgt grundsätzlich durch den jeweiligen , die Kommune kann in form von Bereitstellung von öffentlicher Fläche und einer Stromversorgung unterstützen. Wenn erkennbar die erforderlichen Mindestkundenzahlen nicht erreicht werden, kann entweder eine Unterstützung bei der Kundengewinnung gefordert werden oder die Zahlung eines Ausgleichs für einen unwirtschaftlichen Betrieb – die Wirtschaftlichkeitslücke.

Während die Kommune so gut wie keinen Einfluss beim Ausbau der aktiven Übertragungstechnik hat, kann sie die zweite Komponente im Breitband-Ausbau oft erheblich fördern, nämlich die Anbindung der Kabelverzweiger an die Breitbandübergabe-Punkte (PoP), die oft mit dem (HVT) der Telekom zusammen fallen. Je nach Topographie sind zwischen dem und den einzelnen Kabelverzweiger mehrere Kilometer Distanz zu überbrücken. Da sich die Kabelverzweiger nahe bei den angebundenen Haushalten befinden, sind hierbei in den meisten Fällen überbaute und versiegelte Flächen zu überwinden.

Wenn keine Leerrohre vorhanden sind, durch die bis zum Kabelverzweiger durchgezogen werden kann, sind Tiefbauarbeiten erforderlich. In einigen Fällen können auch Abwasserrohre zur Verlegung der genutzt werden. Aber dies kann nur im Einzelfall geprüft werden. Gelegentlich finden sich Leerrrohre von überregionalen Netzbetreibern, Gas- oder Stromversorgungs-Unternehmen oder von Industriebetrieben. Auch die Deutsche Telekom hat in vielen Fällen Leerrohre oder auch im Boden liegen. Die Kommunen können sich über eine Trassen-Auskunft informieren lassen, ob und wo entsprechende Infrastruktur verfügbar ist. Erst wenn diese Prüfungen erfolgt sind, sollte die Planung von eigenen Tiefbaumaßnahmen erfolgen.

-Verlegung ist teuer

Je nach den örtlichen Bedingungen bringen die Verlegungsarbeiten Kosten in Höhe von Euro 80 bis 120 pro verlegten Meter. Die zu Leerrohre selber schlagen dabei nur mit ca. Euro 5 pro Meter zu Buche und auch die liegt gerade bei etwa Euro 2,50 pro Meter zuzüglich der Kosten für das Einziehen in Höhe von Euro 2,00 pro Meter. Dazu kommen natürlich noch Schächte, die in regelmäßigen Abständen zu setzen sind, damit auch später Arbeiten an der durchgeführt werden können, Muffen zur Anbindung mit anderen -Strecken, Endstopfen und andere Elemente. Die Kosten für die Verlegung von Leerrohren können in vielen Fällen gefördert werden mit öffentlichen Mitteln wie z.B. aus dem Konjunkturpakte II (sofern die Arbeiten bis Ende 2010 abgeschlossen werden und die zugewiesenen Mittel nicht bereits anderweitig verplant sind) oder nach dem Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums (sofern die Kommune zur definierten ländlichen Kulisse gehört).

Mitnutzung vorhandener Leerrohre spart Investitionsmittel

Sofern die Deutsche Telekom bislang an einem Ausbau in einer Ortschaft kein Interesse hatte, hat sie sich geweigert, möglicherweise vorhandene Leerrohre oder anderen Betreibern gegen Vergütung zur Verfügung zu stellen mit dem Hinweis, dass es kein entsprechendes Produkt bei der Telekom gibt. Dies treibt die Kosten unnötig in die Höhe und ist volkswirtschaftlich unsinnig. Mittlerweile ist die Bundesnetzagentur tätig geworden und arbeitet an der Regulierung und einer Preisfestlegung. Dies kann für manche Kommunen zu erheblichen Einsparungen führen und den Breitband-Ausbau beschleunigen.

Eine andere Alternative kann in der Anbindung der Kabelverzweiger mit Richtfunkstrecken anstatt der in Leerrohren verlegten liegen. Allerdings setzt dies eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger voraus. Sofern vorhandene Masten oder höhere Gebäude in der Nähe von und den Kabelverzweigern genutzt werden, ist dies eine in der Regel kostengünstigere Alternative als die Durchführung von Tiefbauarbeiten. Sofern allerdings die Errichtung von höheren Masten erforderlich wird, schmilzt der Vorteil oft wieder zusammen.

sind manchmal eine Alternative

Für Ortschaften, die eine mehrheitlich unter 1 Mbit/s liegende Versorgung haben, kann die Forderung nach Errichtung eines Schaltverteilers am Ortseingang die Kosten für die Anbindung aller Kabelverzweiger umgehen. Nach einem Beschluss der Regulierungsbehörde ist die Deutsche Telekom bei Vorliegen der Kritierien auf eigene Kosten einen zu errichten und auch anderen Netzbetreibern zur Verfügung zu stellen. In den Fällen, in denen die Versorgung mehrheitlich über 1 Mbit/s liegt, besteht für Deutsche Telekom keine Verpflichtung zur Errichtung von Schaltverteilern.

Funklösungen ermöglichen zeitliche Überbrückung

Der Aufbau von Leerrohren braucht einschließlich der Planungsphase und der Beantragung von Fördermittel in der Regel längere Zeit. Hierbei sind durchaus zwei Jahre und mehr möglich. Um schnell Lösungen zu schaffen, die den bestehenden Bedarf decken, können Funklösungen in Betracht kommen. Für geschlossene Ortsteile kann dies nach dem -Standard erfolgen, der allerdings derzeit nur bis zu 2 Mbit/s ermöglicht. Mit dem Long-Term-Evolution ()-Standard sind auch 50 Mbit/s möglich. Allerdings müssen die hierfür erforderlichen Frequenzen, die früher für die Ausstrahlung von terrestrischem Rundfunk genutzt wurden und durch die Digitalisierung frei geworden sind () erst durch die Bundesnetzagentur vergeben werden. Die Lizenznehmer können dann die entsprechenden Netze aufbauen. Bedingt durch die vergleichsweise niedrige Frequenz können mit auch größere Gebiete ausgeleuchtet werden und da die Strahlung auch meist gut in Gebäude eindringt, kann in vielen Fällen auf eine Außenantenne verzichtet werden.

Die Lizenzen für werden nach der Beseitigung der politischen Voraussetzungen vermutlich bis Anfang 2010 vergeben, so dass vermutlich ab 2011 erste Netze zur Verfügung stehen werden. Bislang gibt es erst einige Pilotnetze die mit gutem Erfolg betrieben werden. Wo, wann und zu welchen Konditionen Breitband-Anschlüsse nach dem -Standard zur Verfügung stehen werden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Mit seiner Bandbreite ist immerhin auf mittlere Sicht zukunftssicher und kann auch Internet-Fernsehen bis zur HD-Qualität übertragen.

Andere proprietäre Funklösungen, die auch ohne Lizenz betrieben werden können, bieten weitere Alternativen. Hierfür gibt es regional tätige, überwiegend mittelständische Unternehmen, die als Betreiber agieren und auf eigenen Namen Funknetze mit Bandbreiten bis zu 16 Mbit/s anbieten. Die Lösungen brauchen aufgrund der hohen Frequenzen eine direkte Sichtverbindung zwischen dem Sender (oder dazwischen errichteten Relais-Stationen) und dem Haushalt. Der interessierte Nutzer braucht eine Außenantenne, um das Funksignal auf zu nehmen und ins Haus zu leiten.

Ein Breitbandzugang per Satellit bietet sich in erster Linie für einzeln stehende Gehöfte an und ermöglicht eine Breitbandversorgung mit typischerweise 1 Mbit/s. Da keine weitere Infrastruktur erforderlich ist, kann eine entsprechende Installation und Inbetriebnahme kurzfristig erfolgen.

Zukunftssicherheit durch ausbaufähiges -Netz

Der Ausbau der -Infrastruktur stellt für eine Kommune allerdings nicht nur die unmittelbare Voraussetzung zur Verbesserung der Breitband-Versorgung dar. Auch für die absehbare Entwicklung in Richtung auf einen -Ausbau bis in die einzelnen Haushalte (-to-the-Home oder -to-the-Building) schafft dieser Ausbau eine gute Grundlage. Denn auch in Zukunft wird die Trassenführung von den Hauptverteilern und Kabelverzweiger bis in die Haushalte geführt. Sobald die Anforderung zum Ausbau der in den Hausanschluss in verstärktem Maße kommt, können weitere Leerrohre vom Kabelverzweiger bis zum Hausanschluss verlegt werden. Hierbei können anstatt der größeren dreifachen D50 Standard-Rohre auch Mini-Pipes verwendet werden.

Wenn die Kommune die Gelegenheit nutzt und bei allen Baumaßnahmen automatisch Leerrohre mit verlegt und Schächte errichtet, sind diese Leistungen zu Grenzkosten zu erbringen und die späteren Ausbaukosten werden reduziert. Dies setzt natürlich voraus, dass vorab ein Verlegungsplan erstellt wird und die jeweiligen Einzelstrecken miteinander verbunden werden sowie durch Schächte jederzeit zugänglich sind.

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wie lange es dauern wird, bis sich -to-the-Home durchsetzen wird. In einigen asiatischen Ländern wird dies bereits heute umgesetzt und der Zwischenschritt einer DSL-Versorgung übersprungen. Aber auch in westeuropäischen Städten wie z.B. in Amsterdam und in Köln wird der Ausbau konsequent betrieben. Selbst mittelgroße Städte wie Coburg haben mit entsprechenden Pilot-Projekten begonnen. Das übertragene Datenvolumen steigt ständig und weltweit liegen die jährlichen Wachstumsraten bei 60 %. So ist ab zu sehen, dass -to-the-Home in 10 bis 20 Jahren zum Standard einer guten Kommunikations-Anbindung gehören wird. Kommunen mit schlechterer Anbindung werden dann Standortnachteile spüren. In Gewerbegebieten wird es aber wesentlich schneller gehen mit dieser Entwicklung und eigentlich sollte bereits heute jedes Gewerbegebiet mit -Strecken angebunden werden. Immerhin schafft die heutige DSL-Technologie den zeitlichen Vorlauf, dass die notwendige passive Infrastruktur mit erträglichen Mehraufwänden geschaffen werden kann.

von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack (TelecomDe.com, weitere Informationen zum Autor)

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