Dramatische Veränderung des globalen Surfverhalten 2009 – Auswirkungen auf Breitbandnetze?
Seit einigen Jahren gibt es viele Diskussionen unter Breitbandexperten ob es so was wie eine “Exaflood” oder den so genannten “Bandwidth hog” geben wird. Bereits vor einigen Jahren veröffentlichte Nemertes Reseach eine Studie zum Thema “Internet Interrupted: Why Architectural Limitations Will Fracture the ‘Net”, in dieser war die Rede dass bereits im Jahr 2012 so viele Daten über das Internet übertragen werden, dass dieses zusammenbrechen könnte. Nach meiner Meinung verschärft sich die Gefahr einer “Exaflood” erheblich durch das veränderte Surfverhalten der Endkunden.
Eine Exaflood bezeichnet eine exponentiell ansteigende Menge an Online-Inhalten, hier ein kleines Beispiel:
Nach der Nemertes Reseach Studie benötigt YouTube, Ende 2008, eine Bandbreite von ca. 350.000 Terabyte pro Jahr – Ende 2009 werden es bereits ca. 590.000 Terabyte sein.
Eine weitere sehr aktuelle Studie von Sandvine zeigt nun die Veränderung des Userverhaltens zwischen 2008 und 2009. Die großen Veränderungen spielen sich alle in den bandbreitenfressenden Diensten ab. Ganz klar an der Spitze sind Dienste “Real-time Entertainment” (Videos, LiveTV), erstaunlich ist Rang 2 mit “Storage und Backup-Services”. Der Storage und Backupmarkt hat es nun wohl endgültig in den Massenmarkt geschafft, immer mehr User benötigen immer mehr Speicherplatz und dieser wird nun über die Cloud bezogen. Der Bereich Gaming benötigte bis jetzt nicht viel Bandbreite, seit es aber nun die ersten Anbieter gibt, die die Konsolen-Spiele (z.B. www.onlive.com – Wenn diese Firma eine AG wäre, würde ich mein ganzes Geld hier investieren
) online hosten und nur noch den Bildstream an die User übertragen, benötigt auch diese Branche vergleichbar mit “Real-time Entertainment” enorme Bandbreiten und das Ganze am besten ohne Latenzen.

(Quelle: Bild: TelecomDe, Rohdaten: Sandvine)
Es ist klar zu sehen wohin es geht und der Bandbreitenbedarf des Internets wird in den nächsten Jahren weiter exponentiell steigen. Nemertes bezifferte die Kosten für den nötigen Ausbaus 2008 auf ca. 100 Milliarden Dollar. Wenn man sich aber die geschätzten Ausbaukosten nur in Deutschland für den Glasfaserausbau bzw. die ländliche Erschliessung ansieht, beziffert der sich bereits auf knapp 50 Milliarden Euro. Das Surfverhalten ändert sich so schnell und dramatisch, dass man den nötigen Bedarf wohl neu erforschen bzw. berechnen muss.
von Jonas da Coll (TelecomDe.com, weitere Informationen zum Autor)




