LTE – Glücksfall für Politik und Netzbetreiber – Pech für die Kommunen?
Die LTE-Technologie wurde mit vielen Vorschuss-Lorbeeren behandelt und die Versteigerung der Mobilfunklizenzen im Mai 2010 hat die Öffentlichkeitswirksamkeit weiter gesteigert. Es scheint unstrittig, dass die verwendete Modulation eine höhere Frequenz-Effizienz ermöglicht als dies bei den 3G-Netzen der Fall war. Insofern verspricht LTE eine Verbesserung für die mobile Internetnutzung, auch wenn hierfür zunächst noch Endgeräte und Anwendungen entwickelt werden müssen.
Über einige Wochen hinweg konnte man aus den Beiträgen in der Presse den Eindruck gewinnen, dass die Probleme zur Schließung der „weißen“ Flecken im ländlichen Raum, d.h. der Regionen, die heute entweder im Hinblick auf Breitband unversorgt oder mit durchschnittlich weniger als 2 MBit/s unterversorgt sind, mit LTE leicht gelöst werden können. Auch wenn es bundesweit keine veröffentlichten Zahlen zum Umfang der weißen Flecken gibt, so kann man vermuten, dass zwischen 20 und 30 % der Haushalte derzeit Bandbreiten von weniger als 2 MBit/s haben und somit Internet-Anwendungen nur in begrenztem Rahmen nutzen können. Für den Ausbau hinderlich ist, dass die überwiegende Mehrzahl der heute noch unterversorgten Regionen aufgrund der topographischen Bedingungen oder der niedrigen Anzahl potenzieller Kunden für die Betreiber in Aufbau und Betrieb unwirtschaftlich ist. Daher wurden verschiedene Förderprogramme aufgelegt, die bei der Schließung der Wirtschaftlichkeitslücke der Netzbetreiber helfen sollen.
Insbesondere in diesen Fällen wurde LTE als die schnelle Alternative gesehen, um das Versprechen der Bundesregierung von Anfang 2009 zu erfüllen, die weißen Flecken bis Ende 2010 zu schließen und mit mindestens 1 MBit/s zu versorgen. Gleichzeitig sorgen Demonstrationen von LTE-Teststellungen, bei denen im fahrenden Fahrzeug Videokonferenzen mit hoher Bildqualität demonstriert werden, für die Erwartung, dass zukünftig 100 MBit/s in jedem Haushalt verfügbar sein wird, ganz ohne eine lästige Leitungs-Anbindung. So kommen regelmäßig Anfragen aus betroffenen Kommunen, ob sie überhaupt einen durch Tiefbauarbeiten teuren Glasfaser-gestützten Ausbau verfolgen sollen, oder lieber auf eine 100 MBit/s Lösung LTE setzen sollen.
Mittlerweile zeichnet es sich ab, dass diese Ausbau-Option wohl nur eine Vision bleibt. LTE wird voraussichtlich im Rahmen von Förderprojekten zum Breitbandausbau wie eine weitere Technologie-Komponente behandelt. Bereits heute werden UMTS-Lösungen im Rahmen eines Technologie-Mix bei der Planung berücksichtigt. In Zukunft kommt neben dem Glasfaser-Ausbau bis zum Kabelverzweiger, der Errichtung von Schaltverteilern und dem Einsatz von Mobilfunk mit UMTS und Satelliten-DSL noch LTE hinzu. Die Bandbreiten werden bei Zellgrößen von 10 Kilometern (im 800 MHz-Band) außer in unmittelbarer Nähe zur Sendestation nur im Bereich von wenigen MBit/s liegen. Wie bei anderen Funklösungen ist auch bei LTE als einem „shared medium“ mit einem deutlich Leistungsabfall zu rechnen, wenn viele Nutzer gleichzeitig auf das Internet zugreifen. Hohe Bandbreiten vergleichbar mit VDSL werden bei diesen Zellgröße mit LTE auch in den nächsten Jahren und bei Weiterentwicklung des Standards nicht erreichbar sein (bei kleineren Zellen und höheren Frequenzen wird dies sicher anders aussehen).
Die bei der Lizenzvergabe gemachte Auflage, mit LTE bevorzugt kleinere, unterversorgte Kommunen auszubauen, eröffnet auf den ersten Blick eine positive Perspektive für die bislang schlecht versorgten Gegenden. Wenn sich allerdings bewahrheitet, dass mit LTE beim Ausbau im ländlichen Raum nur eine Bandbreite von 2 MBit/s im Download garantiert wird, dann entspricht dies vordergründig den Rahmenbedingungen für eine Förderung. Mit ADSL sind dagegen bei einem leitungsgebundenen Ausbau bereits in der Mehrzahl der versorgten Haushalte 16 MBit/s erreichbar, ab Sommer 2010 werden die Betreiber neue Bauvorhaben mehrheitlich mit VDSL-Technik, d.h. einer Bandbreite bis 50 MBit/s ausbauen. Dagegen erscheinen 2 MBit/s nicht mehr ganz zeitgemäß. Auch in der praktischen Anwendung sind 2 MBit/s nicht ausreichend für eine effiziente Nutzung des Internets, zumindest wenn dabei auch multimediale Anwendungen genutzt werden sollen.
LTE wird sich als Mobilfunklösung vermutlich von der Preisgestaltung eher an Mobilfunkangeboten orientieren als an leitungsgebundenen Diensten, auch wenn keiner der Anbieter bisher hierzu eine verbindliche Äußerung abgeben kann. So wird ein Breitbandanschluss mittels LTE vermutlich teurerer als ein ADSL- oder Kabel-TV-Anschluss heute bei gleichzeitig niedrigerer Leistung. Zudem könnte es eine Volumenbegrenzung geben, die bei Erreichen eines bestimmten Datenvolumens zu einer Reduktion der Übertragungsraten oder höheren Preisen pro Datenpaket führt.
Ob es einen Ausbau mit LTE unabhängig von Förderprojekten zum Breitbandausbau geben wird, ist wohl noch offen. Somit wird es für Kommunen in der Haushaltssicherung oder mit einem Nothaushalt unter Umständen auch mit LTE keinen Breitbandausbau geben! Überhaupt fehlen bislang noch Systemtechnik-Entscheidungen und Endgeräte für die LTE-Nutzung. Es ist daher damit zu rechnen, dass frühestens im Sommer 2011 Netze und Geräte für eine breitere Nutzung in unterversorgten Regionen zur Verfügung stehen. Eine Koordination beim Ausbau nach der bei der Bundesnetzagentur hinterlegten Liste unterversorgter Ortschaften zwischen den Betreibern oder durch die Politik scheint es nicht zu geben.
Für die Bundespolitik kommt LTE gerade richtig, ist so doch das im letzten Jahr formulierte Ziel, alle weißen Flecken bis Ende 2010 (fast) erreichbar – faktisch wird es zwar wohl eher bis Ende 2011 dauern, aber immerhin kann so das erste der Breitbandziele erreicht werden (zumindest dann, wenn die Politik eine Lösung für die große Anzahl von Kommune in der Haushaltssicherung oder mit Nothaushalten schafft). Gleichzeitig kann ein mögliches Problem durch aufgebrauchte Fördervolumina für die Politik umgangen werden. Eine Kommune, für die ein LTE-Ausbau in den nächsten drei Jahren geplant ist, gilt als versorgt und kann nach vorherrschender Experten-Meinung wohl keine weiteren Fördermittel aus dem GAK- oder GRW-Programm in Anspruch nehmen. Dies kommt zur rechten Zeit. 2008 und 2009 erfolgte der Fördermittel-Abruf aufgrund der bürokratischen Aufwände für eine Beantragung nur zögerlich. In diesen beiden Jahren beschränkten sich Förderanträge in der Mehrzahl auf Beratungs- und Planungsleistungen. Seit Anfang 2010 gehen aber mehr und mehr Förderanträge ein für einen Ausbau (in der Regel zur Deckung einer Wirtschaftlichkeitslücke bei dem ausgewählten Netzbetreiber). Schon für kleinere Ortsteile überschreiten die erforderlichen Deckungslücken 100.000 Euro je Ortsteil. So könnten zumindest die GAK-Mittel schon 2011 erschöpft sein, GRW-Mittel werden wohl länger verfügbar sein, da die Anzahl der laut Rahmenbedingungen förderfähigen Gewerberegionen vergleichsweise gering ist.
Aber nicht nur für die Politik kommt LTE zur rechten Zeit. Auch für die Netzbetreiber ist LTE als Ausbau-Technologie sicher hoch willkommen. Die wirtschaftlich erschließbaren Regionen im städtischen und ländlichen Raum sind inzwischen weitgehend mit Breitbandlösungen ausgebaut. Die verbleibenden weißen oder grauen Flecken liegen entweder weit entfernt von Breitbandnetzen oder weisen eine so dünne Besiedlungsdichte auf, dass ein Ausbau auch mit Investitions-Zuschüssen im laufenden Betrieb unwirtschaftlich ist. In diesen Fällen ist LTE eine gute Möglichkeit, mit vergleichsweise geringen Investitionskosten Flächen von 10 bis 20 Kilometer im Radius um eine Basisstation zu versorgen. Allerdings sind trotzdem die Basis-Stationen mit Glasfaser anzubinden, um die erforderlichen Bandbreiten zuzuführen. Vermutlich werden die LTE-Sendestationen bevorzugt auf den Funkmasten für GSM installiert und die Mehrzahl dieser Funkmasten dürfte immer noch mit Kupferkabeln angebunden sein. Somit entstehen unter Umständen auch beim LTE-Ausbau für die Betreiber nicht geringe Kosten für Tiefbauarbeiten. Immerhin wird bei einer Versorgung mit LTE der Druck auf die Betreiber geringer, den Kommunen eine nachhaltig zukunftssichere Lösung in der Breitbandversorgung zu schaffen. So können sich die Betreiber verstärkt den rentableren Ballungsgebieten zuwenden und hier weiter ausbauen.
Bei diesem nicht unrealistischen Szenario sind die Kommunen die Verlierer, die bislang noch keine Anstrengungen für einen Ausbau mit Fördermitteln unternommen haben. Da mit einer LTE-Versorgung vermutlich keine Fördermittel mehr beantragt werden können und die Haushaltsmittel vieler Kommunen nicht für die Finanzierung eines Ausbaus mit Glasfaser-Kabeln reichen dürfte, könnte für diese Kommunen der Zug für einen zukunftssicheren Ausbau mit höheren Bandbreiten zunächst für lange Jahre abgefahren sein. Ob die Bürger mit der dann garantierten Bandbreite von 2 MBit/s zufrieden sein werden, darf bezweifelt werden. So könnte eine neue Art der digitalen Spaltung zwischen Ballungsgebieten und dem ländlichen Raum geschaffen werden.
Somit lösen sich die ganz großen Erwartungen an LTE weitgehend in Wohlgefallen auf! Immerhin steigert das Angebot von LTE die Zahl verfügbarer Breitbandtechnologien, die im Einzelfall für den Ausbau in einer Kommune geprüft werden können. Ein Ausbau mit LTE erfordert zudem die Zuführung von Bandbreiten bis zur Basis-Station. Hierfür kommen sowohl Glasfaser- als auch Richtfunk in Betracht. Mit dem Ausbau der LTE-Zellen werden somit Backhaul-Lösungen in die Fläche gebracht, die für den weiteren Ausbau genutzt werden können. Zudem bringt LTE für die Nutzung des mobilen Internets in Ballungsgebieten aufgrund der höheren Frequenz-Effizienz absehbar deutliche Fortschritte. Somit bleibt als subjektives Fazit zu den bisher vorliegenden Informationen über LTE:
- LTE lässt deutliche Vorteile für mobile Internet-Anwendungen erwarten
- für den Ausbau der stationären Breitbandanschlüsse kann LTE im 800 MHz-Band für einige Jahre als Brückentechnologie dienen
- Preismodelle und Konditionen werden voraussichtlich näher an heutigen Mobilfunk-Diensten liegen als bei DSL- oder Kabel-TV-Angeboten
- vor Mitte 2011 werden Anschlüsse im Praxis-Einsatz kaum zur Verfügung stehen
- eine Koordination der Ausbaugebiete unter den Lizenznehmern scheint es nicht zu geben
Betrachtet man die Gesamt-Situation im Breitband-Markt Deutschland, so sehen die Perspektiven nicht rosig aus:
- für die zunehmende Anzahl von Kommunen in der Haushaltssicherung und mit Nothaushalt gibt es keine Lösung für den Breitbandausbau mit Förderprojekten (oder mit LTE)
- der genaue Stand noch verfügbarer Fördervolumina ist nicht bekannt. Es zeichnet sich aber ab, dass die Fördermittel vielleicht schon Mitte 2011 ausgeschöpft sind
- die Finanzierung von Vorhaben, deren Umsetzung über das Jahresende hinaus gehen, ist offen. Die hierfür erforderlichen Verpflichtungs-Ermächtigungen für die Bezirks-Regierungen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Damit wären Projekte, die erst nach März eines Jahres zur Vergabe kommen, nicht mehr umsetzbar!
Vor diesem Hintergrund bleibt die Frage, wie die beiden Ziele der Bundesregierung für 2010 (Schließung der weißen Flecken) und 2014 (75% der Haushalte haben mehr als 50 MBit/s) in der Praxis erreicht werden sollen.
LTE wird bei Einsatz in einem höheren Frequenzband und damit bei niedrigeren Zellradien deutlich höhere Bandbreiten bieten. So könnte in Ballungsgebieten mit LTE eine Bandbreite von 50 MBit/s realisiert werden. Damit können mobil selbst Videokonferenzen abgehalten werden. Dies allerdings nur bei Zellradien von ca. 500 Metern. Für die Mobilfunkbetreiber ist ein solcher Ausbau dann rentabel, wenn genügend Nutzer in den Zellen anzutreffen sind. Wie die mobilen Dienste ausgestaltet sein werden und wie die Endgeräte aussehen werden, scheint noch nicht fest zu stehen. Bei WiMAX wurde angestrebt, dass von den Chip-Herstellern, insbesondere Intel Chip-Sätze entwickelt werden, die wie jene für WLAN automatisch in alle Laptops und Smart-Phones eingebaut werden. Bei WiMAX hat dies allerdings nicht funktioniert.
So bleibt es auf jeden Fall spannend zu sehen, wie die Entwicklung um LTE weiter gehen wird und insbesondere welche Rolle LTE beim Breitbandausbau einnehmen wird. Allerdings steht zu befürchten, dass die großen Erwartungen an LTE für die Schließung der „weißen“ Flecken nicht erfüllt werden. Ein nachhaltiger Breitband-Ausbau basiert nach wie vor auf der Verlegung von Glasfasern bis in die Teilortschaften und langfristig auch bis in jeden Haushalt.
von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack (TelecomDe.com, weitere Informationen zum Autor)



[...] http://www.telecomde.com/dsl/lte-%E2%80%93-glucksfall-fur-politik-und-netzbetreiber-%E2%80%93-pech-f... Über einige Wochen hinweg konnte man aus den Beiträgen in der Presse den Eindruck gewinnen, dass die Probleme zur Schließung der „weißen“ Flecken im ländlichen Raum, d.h. der Regionen, die heute entweder im Hinblick auf Breitband unversorgt … LTE wird sich als Mobilfunklösung vermutlich von der Preisgestaltung eher an Mobilfunkangeboten orientieren als an leitungsgebundenen Diensten, auch wenn keiner der Anbieter bisher hierzu eine verbindliche Äußerung abgeben kann. … [...]
Es wird hier sehr darauf hingewiesen, daß ein alternativer Breitbandausbau mit Fördermitteln besser wäre, als eine LTE Grundversorgung.
Man sollte dabei aber berücksichtigen, daß in wirtschaftlich unattraktiven Gegenden selbst mit Fördermitteln oft keine wirklich zukunftsträchtige Technologie eingesetzt wird, sondern stattdessen günstige Funklösungen eingesetzt werden, die ähnliche Beschränkungen wie LTE haben.
In einer Mehrzahl der weissen Flecken wäre daher selbst mit den aktuell möglichen Fördermitteln in absehbarer Zeit keinerlei Breitbandausbau mit einer besseren Technologie als LTE zu erwarten, falls sich denn überhaupt ein Anbieter für einen Ausbau interesieren würde.
Den Bewohnern der weissen Flecken geht es aber derzeit erst einmal nur um eine möglichst rasche Grundversorgung mit Breitband, da bisher eben keinerlei Versorgung vorhanden ist.
Der Luxus von höheren Bandbreiten wird später natürlich auch auf dem Wunschzettel stehen, wenn die Grundbedürfnisse erst einmal befriedigt sind.
Im Prinzip müsste es dazu eine Art Umwidmung der Fördermittel geben, damit diese nicht mehr technologieneutral vergeben werden, sondern nur noch für zukunftssichere Technologien eingesetzt werden dürfen wie VDSL/Breitbandkabel/FTTH.
Hallo !
SUPER ARTIKEL !
ich mach es kurz !
LTE ist ein shared medium , sobald da 50 leute gleichzeitig auf dem LTE Mast surfen bzw. einige ständig Filme runterladen ———- LTe ist KEINE LÖSUNG.
LTE müsste wie ISDN nahezu kostenlos sein , da die bandbreiten lächerlich sind.
Sobald 500 leute einen LTE- MAsten beanspruchen geht garnix mehr — im Osten wird das ständig der Fall sein.
LTE wird sich als Lachnummer rausstellen ….am Anfang werden sich all freuen und soblad zu viele auf die Masten zugreifen wird die Telekom Hotline sich freuen könne. Ich könnte auch schon jetzt die Standard Antwort der Telekom formuliereb, aber die sollen auch was für Ihr Geld tun .
Aber auch die Telekom hat daran keine Schuld , Schuld hat allein die Bundesregierung die es einfach nicht auf die Reihe bekommt das im 21. Jhd. in deutschland wenigstens jeder eine 1 Mbit anschluss bekommt oder mindestens DSL light mit stabiler Bandbreite ( also kabelgebunden ).
Oder anders gesagt : Der geplante Universaldienste der jedem DSL garantieren soll kommt viel zu spät —- 10 jahre zu spät.
mfg