Wie viel Breitband braucht der Mensch? Glasfaser auch bis zum letzten Aussiedlerhof?
Zusätzliche Internet-Nutzer und intensivere Nutzung benötigen Bandbreite
Der Hunger nach mehr Bandbreite wächst stetig. Waren 2010 schon 50 % der Bevölkerung in Deutschland mit einem Breitband-Anschluss im Internet, so werden es in 2011 vermutlich 55 % sein. Im Durchschnitt waren im letzten Jahr 72% der Bevölkerung laut (N)Onliner-Atlas 2010 online, aber nur 49,6% nutzen einen Breitbandzugang. Das jährliche Wachstum bei der Internetnutzung liegt derzeit bei etwa 3%.
Das Beispiel der „entwickelten“ Breitbandländer zeigt, dass die Breitbandnutzug auch in den Bereich von über 80 % gehen kann. In Deutschland könnten derzeit mehr Haushalte Breitband nutzen, als es die Zahlen vermuten lassen. Gerade in den Ballungsgebieten, aber auch in vielen Mittelstädten könnten heute schon 90 % der Bevölkerung einen Breitbandanschluss nutzen. Die Gründe für den Verzicht sind vielfältig, fehlendes Wissen um die Möglichkeiten genauso wie fehlende finanzielle Mittel. Gerade die Entwicklung der Internet-Nutzung in der Gruppe der über 50-Jährigen zeigt, dass die Durchdringung Zeit braucht.
Nicht nur die Anzahl der Nutzer steigt, es steigt auch die Intensität der Nutzung. Das Internet und Online-Anwendungen durchdringen in zunehmendem Maße das tägliche Leben. Statt eines Briefes schreibt man eine Email, statt einem Überweisungsformular nutzt man Online-Banking und Wikipedia verdrängt das klassische Lexikon bei der Suche nach Informationen, social network services und Online-Chats ergänzen oder ersetzen das Treffen mit Freunden. Auch die Medien verspüren die Auswirkungen deutlich, Werbung verlagert sich aus den Fernsehen und Zeitung in die virtuelle Welt, die Tageszeitung bekommt Konkurrenz durch die immer beliebter werdenden Online-Ausgaben und neben das gewohnte Buch tritt das eBook als sein virtuelles Pendant! Als Konsequenz aus intensiveren Nutzung und laufend neuen Anwendungen steigt das übertragene Datenvolumen pro Monat und Nutzer seit Jahren stetig von ca. 6 GB 2005 über 10,1 GB in 2009 auf 11,3 GB in 2010. Es ist nicht abzusehen, dass sich dieser Trend in absehbarer Zeit umkehren könnte.
Dieser Trend wird weiter unterstützt durch die Erweiterung des Produktangebots der Hersteller um kleinere und mobile Endgeräte, so dass die Internetnutzung immer flexibler und ortsunabhängig möglich wird. Dabei wird der Arbeitsplatzrechner zunehmend durch das Notebook verdrängt, dieses wird durch das mobilere Netbook ergänzt und mit dem Tablett-PC und dem IPAD als seinem bekanntesten Vertreter kommt ein weiterer Gerät, der den veränderten Nutzungsgewohnheiten Rechnung trägt. Die mobile Welt ist dabei mit der Entwicklung und dem mittlerweile wohl fest zu stellenden Siegeszug der Smartphones ein Stück voraus. Diese Trends sorgen dafür, dass die Möglichkeit immer und überall auf das Internet zugreifen zu können, mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit wird.
Gleichzeitig werden die Seiten im Internet durch multimediale Inhalte angereichert, die nur mit ausreichender Bandbreite schnell aufgebaut werden können. Insbesondere die Nutzung von Videos zur Unterhaltung, zur Erläuterung oder Verdeutlichung von Sachverhalten nimmt stetig zu. Ergänzt wird diese Informationsflut durch Inhalte, die von den Nutzern selbst generiert und auf den Seiten eingestellt werden. Besonders Bandbreiten-konsumierend ist dabei das Videoportal YouTube. Aber auch digitale Bilder werden online bereitgestellt, z.B. auf Flickr oder Facebook. Musik im MP3-Standard wird online erworben und gespeichert. Die Entwicklung von Cloud-Computing Anwendungen für Unternehmen, bei denen nicht nur Daten-Sicherung im Netz erfolgt, sondern jede Anwendung und jede Transaktion, wird den Bedarf an Bandbreite erheblich steigern. Die heute selber intelligenten Computer und Notebooks werden in einer Cloud-Umgebung zu Instrumenten der Eingabe und Darstellung degradiert.
Breitbandbedarf je Nutzer steigt stetig
Das steigende Datenvolumen wird nicht nur durch die längeren Nutzungszeiten bedingt, sondern insbesondere durch multimediale Anwendungen, die höhere Bandbreite für eine reibungslose Nutzung benötigen. Die von der EU definierte Grenze von 2 MBit/s ist nur eine willkürliche Festlegung. Allerdings haben auch Länder mit Breitband als Universaldienst in der Regel eher niedrigere Grenzwerte festgelegt. Mit 2 MBit/s sind einfache Internetanwendungen wie die Bearbeitung von Emails und Homebanking möglich. Auch das Surfen im Internet ist dann kein Problem, wenn die besuchte Seite keine aufwändige Multimediaanimation enthält. Der Upload von Daten ist bei den typischen Werten von 0,127 MBit/s allerdings schon zeitintensiv. Für typische private und berufliche Internetanwendungen reicht heute eine Bandbreite von 16 MBit/s gut aus, bei einfacheren Anwendungen ist auch mit 6 MBit/s noch keine erhebliche Einbuße zu beobachten. Die Verlagerung der Fernsehübertragung von einem Funkempfang und teilweise aus Kabel-TV Netzen in die IP-Welt stellt für den Massenmarkt die Anwendung dar, die derzeit den höchsten Bedarf an Bandbreite hat. HD-Filme über das Internet zu empfangen benötigt auf jeden Fall mindestens 20 MBit/s. Werden mehrere Fernsehsendungen parallel über eine Leitung empfangen und zeitgleich Dateien aus dem Internet herunter geladen, dann wird auch schnell eine Bandbreite von 50 MBit/s erforderlich.
Für intensivere Nutzungen wie Peer-to-Peer Datenaustausch und das Versenden von Roh-Bilddaten und Videodateien sind neben den Download-Raten auch schnelle Upload-Datenraten erforderlich. Im professionellen Bereich sind es insbesondere Konstruktionspläne (CAD), die im Upload auch mit VDSL nicht mehr schnell genug übertragbar sind. Hier macht sich der Nachteil der asymmetrischen Übertragung schmerzlich bemerkbar. Auch in Koaxial-Netzen und DOCSIS 3.0 sind derzeit nur Upload-Raten von 5 MBit/s möglich. Höhere Upload-Raten benötigen auf längere Sicht andere Übertragungsmedien und hierfür kommt eigentlich nur Glasfaser in Betracht. Mit Lichtwellenleitern lässt sich gleichzeitig das Problem der starken Dämpfung in Kupferkabeln lösen und die Reichweite der Bandbreite steigern, die bei VDSL derzeit nicht viel weiter reicht als ca. 500 Meter.
Übertragungstechnologien sind verfügbar und erprobt
Für jede gewünschte Bandbreite gibt es geeignete Übertragungstechnologien, so dass die Technologien keinen begrenzenden Faktor beim Breitbandausbau darstellen. Neben der Technologie ist die Wirtschaftlichkeit eines Ausbaus dagegen in vielen Fällen ein Show-Stopper beim Breitbandausbau. Fast jeder Haushalt ist in Deutschland mit einer Kupferdoppelader angebunden, da diese zur Erbringung des Universaldienstes Telefonie erforderlich ist. Obwohl die Kupferdoppelader für die Übertragung von hochfrequenten Signalen nicht optimal geeignet ist, wird sie in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle für die Realisierung der Internetanbindung genutzt, z.B. beim ADSL und VDSL Dienst. Nur ca. 10% der Internetanschlüsse nutzen das Koaxialkabel der Kabel-TV Anbieter, z.B. mit dem DOCSIS 3.0 Standard.
Die Nutzung vorhandener Leitungen ist wirtschaftlich sinnvoll, da so die hohen Kosten für die Herstellung neuer Haus-Anschluss-Leitungen (TAL), die überwiegend für Tiefbauarbeiten anfallen, eingespart werden können. Dies funktioniert dann gut und verlässlich, wenn die Strecken vom Outdoor-DSLAM zum Hausanschluss nicht zu lang werden und die Besiedlungsdichte nicht zu niedrig wird. Durch die starke Dämpfung der digitalen Signale im Kupferkabel dürfen die Leitungslängen für einen vollwertigen VDSL-Dienst mit 50 MBit/s nicht wesentlich über 500 Meter hinausgehen. Werden hinter einem Outdoor-DSLAM deutlich weniger als 50 Anschlüsse versorgt, wird es mit der nachhaltigen Wirtschaftlichkeit im laufenden Betrieb eng, da dann die Betriebskosten in den Bereich der laufenden Einnahmen kommen. In diesem Fall hilft auch in manchen Fällen kein einmaliger Zuschuss, z.B. unter überwiegender Finanzierung durch Förderprogramme.
In diesen Fällen kommen Funklösungen in Betracht, die einen geringeren Investitionskostenaufwand erfordern. Allerdings müssen auch die Basisstationen in Funknetzen mit Breitband-Lösungen an das Backbone angebunden werden. In vielen Fällen werden hierfür ebenfalls Lichtwellenleiter benötigt. Für den Anwender sind die Funklösungen in der Regel teurer als leitungsgebundene Technologien. Die über Funknetze verfügbare Bandbreite liegt bisher immer um eine Größenordnung unter den Werten leitungsgebundener Netze und es ist nicht zu erwarten, dass sich dies in Zukunft ändern wird.
Geschäftsmodelle für den Breitbandausbau anpassen
Der Ausbau der Breitbandnetze im ländlichen Raum könnte recht schnell erfolgen, wenn man die höheren Kosten beim Netzaufbau und –betrieb über höhere Kosten an den Nutzer weitergeben könnte. Immerhin profitiert der Bewohner ländlicher Gebiete doch auch von niedrigeren Grundstückspreisen und Mieten. Doch die Bereitschaft, höhere Preise zu zahlen, ist offensichtlich sehr begrenzt. Zudem können die großen Betreiber in ihren Abrechnungs-Systemen (Billing) keine regional unterschiedlichen Preismodelle abbilden. Kleine und regional agierende Anbieter sind in dieser Hinsicht flexibler und können gemeinsam mit ihren potentiellen Kunden im Vorfeld die Preisbereitschaft prüfen.
Wenn es über höhere Preise nicht möglich ist, eine Wirtschaftlichkeit für den Aufbau und –betrieb von Breitbandnetzen zu erzielen, müssen alternative Konzepte geprüft werden. Hierbei können Funknetze mit höheren Reichweiten (z.B. nach dem modernen LTE-Standard) eine Rolle spielen. Alternativ kann auch der Aufbau von Glasfasernetzen bis zum Hausanschluss eine Lösung schaffen. Zunächst erscheint dieser Vorschlag als ein Widerspruch, da hierfür ja in nicht unerheblichem Maße Infrastruktur neu verlegt werden muss. Andererseits entfallen hierbei weitgehend zusätzliche aktive Netzkomponenten zwischen dem Knoten und dem Hausanschluss, Outdoor-DSLAMs können also eingespart werden. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Investitionskosten für die Technik, die Installation und die Schaffung eines Stromanschlusses sondern auch auf die laufenden Betriebs- und Wartungskosten. Es bleiben die Kosten für die Schaffung von Glasfaserstrecken vom Netzknoten zu den Hausanschlüssen.
Dabei kommt beim Netzausbau im ländlichen Raum in vielen Fällen zugute, dass weite Strecken nicht im Bereich mit versiegelter Oberfläche verlegt werden müssen. Bei unbefestigter Banquette oder entlang von Feldwegen können Leerrohre zu vergleichsweise niedrigen Kosten verlegt werden. Hierbei ist ein Wert von ca. 30 Euro pro Meter anzusetzen im Vergleich zu ca. 90 Euro pro Meter bei versiegelter Oberfläche. Zusätzlich kann geprüft werden, ob auch Freileitungen zum Einsatz kommen können, die sicher keine optische Bereicherung darstellen und auch aus Sicherheitsgründen nicht optimal sind. Die Verlegungskosten könnten aber gegenüber einer unterirdischen Verlegung noch mal reduziert werden.
Bei den Kosten für die Errichtung der Hausanschlüsse könnte die Wirtschaftlichkeit über die Erhebung von Erschließungskosten vom Grundstückseigentümer verbessert werden. Bei der Versorgung mit Kabel-TV ist dies auch heute mit ca. 400 Euro durchaus üblich. In Finnland wird der Grundstückseigentümer bei der Versorgung mit Glasfaser ebenfalls für die Errichtung der letzten 2.000 Meter finanziell beteiligt. Jede Form von zusätzlichen Erschließungskosten reduziert natürlich die Bereitschaft zur Nutzung des Anschlusses. Aber es hier noch mal auf die Vorteile aus niedrigen Grundstückspreisen und niedrigeren Mieten im ländlichen Raum hingewiesen, die vielleicht die Akzeptanz zusätzlicher Kosten verbessert.
Weitere Möglichkeiten zum wirtschaftlichen Aufbau einer Glasfaser-basierten und langfristig zukunftssicheren Breitbandinfrastruktur bestehen in der Nutzung von Synergien. Nutzt eine Kommune alle Tiefbauarbeiten im Straßenraum zur Mitverlegung eines Standard-Leerrohres und dem Bau von Schächten oder Muffen, so können nach durchschnittlich 15 Jahren die Mehrzahl der Haushalte (bis auf den eigentlichen Hausanschluss mit Leerrohren erreicht werden, die für den Einzug von Lichtwellenleitern geeignet sind. Dies setzt zunächst den politischen Willen in der Kommune ebenso voraus wie die Erstellung eines Masterplans, nach dem die Leerrohr-Verlegung erfolgen soll, sowie die Bereitstellung der für die Umsetzung erforderlichen Haushaltsmittel für das eigentliche Leerrohr (ca. 2 Euro pro Meter), die Schächte (ca. 400 Euro) und die Zusatzkosten bei der Verlegung und die Dokumentation (ca. 0,5 Euro pro Meter). Zusammen genommen liegen diese Kosten aber weit unter denjenigen für eine nachträgliche Verlegung (insbesondere in den Strecken mit versiegelten Oberflächen).
Weitere Synergien können gegebenenfalls zusammen mit Stadtwerken oder regionalen Versorgungsunternehmen realisiert werden. Die Anforderung nach einer zeitnahen und regelmäßigen Ablesung der Stromzähler erfordern Lösungen zur Zählerfernablesung. Hierfür ist eine Form von Datenkommunikation erforderlich. Sowohl eine speziell für die Zählerfernablesung eingerichteter DSL- als auch ein Mobilfunk-Dienst sind zu aufwändig und zu teuer. Da käme eine eigene Glasfaseranbindung, die keine laufenden Betriebskosten generiert, gerade richtig. Über eine dedizierte Glasfaser können nicht nur die Zählerdaten übertragen werden, sondern auch zusätzliche Dienste aus dem Smart-Home Bereich realisiert werden. Hierzu könnte z.B. die Videoübertragung für eine laufende Sicherheitsüberwachung gehören.
Wenn der Hausanschluss mittels Micro-Ducts hergestellt wird, können mehrere Fasern gleichzeitig zum Haus gebracht werden. Da sowohl der Breitbandanbieter als auch das Versorgungsunternehmen von der Infrastruktur profitieren können, ist auch eine Kostenbeteiligung bei der Verlegung sinnvoll.
Eine andere potentielle Synergie könnte es mit Stadtwerken geben, die Abwasserkanäle betreiben. Der Vorteile der Kanäle ist, dass es eine direkte Verbindung zwischen einer zentralen Stelle (dem Klärwerk) und jedem einzelnen Haushalt gibt, der Kanal reicht nicht nur bis zur Grundstücksgrenze sondern tatsächlich direkt bis in jedes Gebäude. Die sichere Befestigung von speziellen (V2A)-Leerrohren ist auch in nicht begehbaren Kanälen durch spezielle Roboter möglich. Dies ist allerdings auch mit Kosten verbunden, die je nach Kanal bei 30 bis 80 Euro pro Meter liegen. Nutzt eine Kommune gemeinsam mit den Stadtwerken, die bis Ende 2014 geforderte Dichtigkeitsprüfung aller Kanäle für die gleichzeitige Verlegung von Leerrohren, so können Kosten geteilt werden, da der Grundstückseigentümer auf jeden Fall für die Durchführung der Dichtigkeitsprüfung zahlen muss. Koordinieren die zuständigen Stadtwerke, so können Leerrohre Straßenzugweise verlegt werden und bis Ende 2014 können wesentliche Teile der Kommune ausgebaut sein.
Unter Nutzung der verschiedenen Optionen und dem Aufbau eines geschlossenen Leerrohrnetzes ist es möglich, Glasfaser-Hausanschlüsse (FttB oder FttH) unter wirtschaftlichen Prämissen in dünnbesiedelte Gebiete zu schaffen. Hierfür bedarf es allerdings eines längerfristig geplanten und zwischen den Partnern gut koordinierten Vorgehens.
Neue Netz-Monopole oder Koexistenz der Systeme?
Der Aufbau von Breitbandnetzen nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Konzept ist bei dichterer Besiedlung und nicht zu langen Teilnehmeranschlussleiten (TAL) aus Kupferdoppeladern für die Betreiber wirtschaftlich. FttC und FttB (Fiber-to-the-Building) haben die Glasfaserstrecke vom Netzknoten bis zu den früheren Kabelverzweigern gemeinsam. Während für ein FttB-Netz die Glasfaser bis in die einzelnen Gebäude geführt werden muss, benötigen ADSL und VDSL-Netze an den Standorten der Kabelverzweiger aktive Netzkomponenten, die Outdoor-DSLAMs. Dies sind Multifunktionsgehäuse, in denen insbesondere die Umsetzung von optischen in elektrische Signale und umgekehrt erfolgt. Hierfür sind eine Stromversorgung und eine aktive Kühlung erforderlich. Somit fallen für die Outdoor-DSLAMs neben den einmaligen Investitionskosten von 20.000 bis 25.000 Euro laufende Betriebskosten in Höhe von 5.000 bis 7.000 Euro pro Jahr an. Im Hinblick auf die elektronischen Komponenten und die eingesetzten Rechner ist davon auszugehen, dass die aktive Technik nach ca. fünf Jahren ausgetauscht werden muss. Diese Kosten sind nur in Teilen abhängig von der Anzahl angeschlossener Haushalte und Unternehmen. Daher ist auch in dünn besiedelten Regionen mit ähnlichen Kosten zu rechnen.
Bei einem durchgängigen Glasfasernetz (FttB oder FttH) entfallen aktive Komponenten (sofern nicht aufgrund der Länge Signalverstärker benötigt werden). Somit können bei einer überschlägigen Kalkulation der Aufbau und Betrieb von Outdoor-DSLAMs gegengerechnet werden gegen den Ausbau eines durchgängigen Netzes auf der Basis von Lichtwellenleitern. Da die Alterung von Lichtwellenleitern aufgrund der Produktionstechnologie und der Materialzusammensetzung heute nicht mehr so problematisch ist wie in den frühen Jahren der Glasfaser, kann von einer Lebensdauer von über 30 Jahren ausgegangen werden. Da die Lichtwellenleiter in Leerrohren verlegt werden, kann im Zweifelsfall mit verhältnismäßig geringem Aufwand austauschen. Die Glasfaser kostet ca. 2,50 Euro pro Meter und ist damit billiger als eine Kupferleitung.
Betrachtet man für einen überschlägigen Kostenvergleich den Betrieb eines VDSL-Netzes über einen Zeitraum von 20 Jahren, ein Zeitraum, der für kommunale Infrastrukturen eher kurz ist, so ergibt sich für einen Outdoor-DSLAM ein Gesamtwert für Errichtung, den dreimaligen Austausch der elektronischen Komponenten und die laufenden jährlichen Betriebskosten (ohne Finanzierungs- und Zinskosten) ein Gesamtbetrag in Höhe von ca. 175.000 Euro. Im ländlichen Raum ist die Anschlussdichte je Outdoor-DSLAM deutlich unter dem Wert in städtischen Regionen. Zum einen ist die Anzahl von Wohneinheiten je Gebäude oft bei eins oder zwei und die größeren Grundstücksflächen führen zu weniger potentiellen Kunden in dem mit VDSL noch erreichbaren Umkreis von ca. 600 Meter um die DSLAMs. Durchschnittlich kann vermutlich mit weniger als 50 Anschlüssen je Outdoor-DSLAM gerechnet werden. Bei deutlich weniger Anschlüssen wird aber vermutlich schnell die Grenze der Wirtschaftlichkeit erreicht, alleine aufgrund der Betriebskosten.
Geht man für die Abschätzung von 40 Anschlüssen je DSLAM im ländlichen Raum aus, so kommt man auf einen Betrag in Höhe von knapp 4.400 Euro je Anschluss. Verzichtet man auf den DSLAM, so könnte man bei gleichen Marktbedingungen und Preisen diesen Wert für den Aufbau des Glasfaseranschlusses nutzen. Es erscheint durchaus realistisch, dass der Grundstückseigentümer mit einmaligen Erschließungskosten beteiligt. 400 Euro könnten ein Ansatz sein. Bei 4.800 Euro und angenommenen durchschnittlichen Anschlusslängen von 500 Metern ergibt sich ein Wert von knapp 10 Euro pro Meter, oder ca. fünf Euro für die Verlegung (das Leerrohr kostet ca. 2,50 Euro pro Meter). Dieser Wert ist nicht üppig und kann nur durch Nutzung aller oben beschriebenen Synergien erreicht werden, auf keinen Fall aber bei einer separaten Verlegung. Diese Überschlagsrechnung berücksichtigt nur die Umverteilung der Kosten für Errichtung und Betrieb des Outdoor-DSLAMs. Einnahmen für die Nutzung des Leerrohr-Anschlussnetzes verbessern die Rechnung.
Über einen solchen Ansatz für den nachhaltigen Breitbandausbau macht der parallele Betrieb eines VDSL-Netzes keinen Sinn. Die im ländlichen Raum ohnehin dünne Wirtschaftlichkeit kann nicht mehr gehalten werden, wenn Teile der Anschlüsse verloren gehen und somit nicht mehr zur Finanzierung der Infrastruktur beitragen. Daher erscheint es sinnvoll, bei Beginn der Planung und Umsetzung den Dialog mit den derzeitigen Betreibern zu suchen und möglicherweise auf tragfähige Kooperationen zu setzen. Dies bietet sich auch bei Betrachtung der Erfolgsfaktoren an. Eine Kommune oder ein Versorgungsunternehmen kann sicher problemlos möglich, mit einem Leerrohrnetz eine weitere passive Infrastruktur zu betreiben. Der Betrieb von Übertragungstechnik und Dienste-Plattformen fällt dagegen eher in das Kompetenz-Spektrum eines Netzbetreibers.
Der parallele Betrieb eines neuen Glasfaser-Netzes und der vorhandenen Kupfer-Doppelader für die reine Telefonie erscheint aus Kostengesichtspunkten unkritisch, da für die Telefonie keine zusätzlichen aktiven Netzkomponenten benötigt werden. Für die Aufteilung des Kabels werden dann aber auch die bisherigen Kabelverzweiger weiterhin benötigt. In die Kalkulation geht dies nicht weiter ein, da keine laufenden Betriebskosten hinter der Ortsvermittlung zu berücksichtigen sind.
Einnahmepotentiale durch ein Glasfaser-Anschlussnetz
Die bisherige Betrachtung konzentrierte sich auf die Kostenseite. In dem Geschäftsmodell für VDSL ist die Teilnehmeranschlussleitung eine Komponente in der Preiskalkulation, die nach der Festlegung durch die Bundesnetzagentur derzeit mit 10,08 Euro pro Monat veranschlagt wird. Dieser Wert gilt insbesondere auch dann, wenn ein Wettbewerber der Deutschen Telekom die Teilnehmeranschlussleitung anmietet. Die Kosten für Errichtung und Betrieb der Outdoor-DSLAMs geht separat in die Preiskalkulation ein. Setzt man den Preis der heutigen Kupfer-TAL auch für die Glasfaser-TAL an, so kommt man über einen 20-Jahres-Zeitraum auf ein Erlöspotential in Höhe von 2.419 Euro. Da auch die Stadtwerke oder der Energieversorger den Bedarf an einer Kommunikationsstrecke in jedes Haus hat, könnte ein rechnerischer Wert auf der Höhe der halben TAL-Miete angesetzt werden (ist das Versorgungsunternehmen selber Betreiber des passiven Anschlussnetzes ist dies ein rein rechnerischer Wert). Somit können weitere 1.209 Euro als Einnahme angenommen werden. Darüber hinaus wird die Möglichkeit zur Erzielung weiterer Erlöse schwierig, da höhere Preise nur bei Realisierung zusätzlicher Wertschöpfung wie der Beleuchtung der Glasfaser, dem Betrieb von Übertragungstechnik und einer Diensteplattform durch zu setzen sein werden. Hierfür sind dann allerdings auch Investitionen und Betriebskosten gegen zu rechnen.
Diese Gesamterlöse von 3.600 Euro können zusätzlich zu den Kosteneinsparungen für den Netzausbau herangezogen werden. Somit ergäbe sich bei einer Streckenlänge von 500 Metern ein theoretischer Wert von knapp 17 Euro pro Meter für die Verlegung der Anschlussleitung. Diese Rechnung ist zwar aufgrund der nicht berücksichtigten Zinseffekte über den Zeitraum ungenau und enthält auch keine Kosten für den Netzabschluss im Haus, in dem die optischen Signale wieder in elektrische umgesetzt werden müssen. Trotzdem zeigt die Abschätzung, dass gerade auch im ländlichen Raum der Aufbau eines durchgängigen Glasfasernetzes bis zum Hausanschluss wirtschaftlich realisierbar ist.
Fazit: Glasfaserausbau ist auch im ländlichen Raum wirtschaftlich
In Ballungsgebieten schreitet der Glasfaserausbau trotz bereits guter Versorgung mit VDSL zügig voran. Dabei ist mit den Leistungswerten von VDSL in nächster Zeit kein Engpass in der Breitbandversorgung abzusehen – sofern der Bedarf an schnelleren Upload-Lösungen nicht unerwartet schnell ansteigt. VDSL ist auch in Mittelstädten wirtschaftlich und sorgt für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Breitbandversorgung.
Nur bei dünnerer Besiedelung mit langen Kupferstrecken hinter dem DSLAM wird es eng mit der Wirtschaftlichkeit eines VDSL-Ausbaus und dabei bringt auch der Ausgleich einer Deckungslücke mit Fördermitteln nur begrenzt eine Lösung. Falls VDSL nicht ausgebaut werden kann, bleiben als Alternativen Funklösungen, allen voran mit LTE. Aber auch Satelliten-DSL kann fast überall genutzt werden, wo kein wirtschaftlicher Ausbau möglich ist. Dies sichert allerdings nur die Grundversorgung und Bandbreiten wie mit VDSL sind mit Funklösungen in der Regel nicht zu erreichen.
Der Ausbau mit Glasfaser ist aber auch eine Alternative in Mittel- und Kleinstädten und selbst viele dörfliche Strukturen könnten mit Glasfaser versorgt werden. Dies setzt allerdings eine Reihe von Gegebenheiten voraus, die nicht immer erfüllt werden:
• Kommunen müssen den politischen Willen zur Umsetzung bekunden und langfristig den Ausbau von Leerrohren nach einem Masterplan verfolgen
• Alle möglichen Synergien für Kosteneinsparungen müssen genutzt werden (Verlegung im Beilauf, Verlegung bei Kanalsanierungen, Nutzung von Freileitungsstrecken)
• Versorgungsunternehmen sollten als Partner gewonnen werden, vielleicht auch als Betreiber der passiven Infrastrukturen
• Geschäftsmodelle müssen neu gestaltet werden und neben dem Ausbau des Leerrohrnetzes müssen langfristige Kooperationen mit Betreibern von aktiver Systemtechnik und Dienste-Plattformen gewonnen werden, z.B. die heute in der Ausbauregion aktiven Telekommunikationsanbieter
• Grundstückseigentümer müssen sich beteiligen durch Beiträge zu den Erschließungskosten und der Gewährung von Grundstückseigentümererklärungen
• Da der Prozess über eine Reihe von Jahren läuft, sollte eine laufende Projektkoordination eingerichtet werden
Auf diesem Wege entsteht eine unmittelbar umsetzbare Alternative zum Ausbau in dünn besiedelten Regionen, in denen ein Ausbau mit VDSL-Technologie (Fiber-to-the-Curb) auch dann unwirtschaftlich bleibt, wenn ein einmaliger Zuschuss aus einem Förderprogramm gezahlt wird.
Gleichzeitig kann in den Regionen (z.B. Mittelstädten), die heute mit VDSL ausgebaut werden, mithilfe des vorgeschlagenen Vorgehens ein Investitionen-schonender Aufbau eines passiven Anschlussnetzes betrieben werden, das in einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren für einen Umstieg auf einen Glasfaserhausanschluss genutzt werden kann. Eine Kooperation mit Versorgungsunternehmen und Netzbetreibern erscheint für Kommunen und Kreise auf jeden Fall unabdingbar.
Mit klarer Strategie und konsequenter Umsetzung muss der Aufbau eines Glasfasernetzes in Deutschland nicht zusätzliche Milliardenbeträge aus Haushaltsmitteln verschlingen.
von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack (TelecomDE.com, weitere Informationen zum Autor)







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