Fiber To The Home Geschäftsmodelle
Im Rahmen einer Studie zum Thema Fiber to the Home habe ich das weltweite Geschehen im Glasfaserausbau im Zugangsnetz betrachtet. Das Ergebnis davon sind deutliche Unterschiede zwischen Asien, USA und Europa. Auch innerhalb Europas sieht man in den Ländern deutliche Unterschiede. Weltweit werden 62% der Breitband-Anschlüsse mittels DSL, also Kupferdoppeladern und 26% mittels Coax-Kabeln realisiert. Ca. 8% der Anschlüsse sind mittels Glasfaser und LAN angeschlossen. (Quelle: OECD Breitbandatlas)
ASIEN
Insbesondere in Japan, Südkorea und Städten wie Hong Kong kommt häufig Glasfaser bis in die Wohnung zum Einsatz. Gründe hierfür sind, dass z.B. in Japan und Südkorea die Regierung den Glasfaserausbau deutlich fördert und in Japan aufgrund Sicherheitsauflagen (Erdbeben) die Glasfaser im Wesentlichen oberirdisch verlegt wird. So sind in Japan 40% und in Südkorea 34% der Anschlüsse über Glasfaser realisiert.
In den Asiatischen Märkten wird der Glasfaser-Zugang meist von den etablierten Telekommunikationsanbietern (NTT, KDDI, Softbank in Japan und Korea Telecom und Hanaro Telecom in Südkorea) realisiert. Diese Unternehmen agieren dabei als Vollanbieter, d.h. sie bieten alle Dienste aus einer Hand. Dieses Geschäftsmodell bezeichne ich deswegen als Full Service Provider.
USA
Obwohl in den USA laut OECD “nur” 3% der Anschlüsse über Glasfaser realisiert sind, ist dieses Land dennoch sehr interessant zu betrachten. Immerhin ist die Versorgung über Coax mit 51% dominant im Markt. Aufgrund der Grösse des Landes gibt es auch keine nationalen Vorhaben zum Aufbau eines Glasfaserzugangsnetzes. Verizon bietet mit FiOS auch den Glasfaserzugang als Full Service Provider an. Interessant dabei ist, dass Verizon im Haus das Coax-Kabel zur Verteilung verwendet (Multimedia over Coax Alliance, MoCA). In den USA gibt es allerdings auch etliche Gemeinden mit dem Open Access Geschäftsmodell: so werden unter anderem in den Städten Portland (OR), Burlington oder Monticello Glasfasernetze aufgebaut.
Europa
Die Situation in Europa ist wesentlich vielschichtiger als in USA oder Asien. Signifikante Nutzung (>100.000 Subscriber) von Glasfaser ist laut FTTH Council Europe in Schweden, Italien, Norwegen zu finden. Wobei in diesen Zahlen auch die Versorgung mittels VDSL eingerechnet ist. Dabei lassen sich in den verschiedenen Märkten, ähnlich wie in den USA sowohl Open Access als auch das Full Service Provider Modell finden. Signifikante Open Access Netze finden sich in Schweden und in den Niederlande. In Deutschland gibt es fast ausschliesslich Full Service Provider Ansätze (DTAG in Dresden, M-Net in Augsburg, EWE-Tel, Netcologne, Ruhrpower in Schwerte, etc.). Das Open Access Modell scheint bei den Entscheidern nicht beliebt zu sein.
Ganz anders die Situation in der Schweiz. Dort hat die Swisscom zwar auch bereits angekündigt, Glasfaser im Zugang auszubauen und hat dabei ein interessantes Konzept vorgestellt. Dagegen positioniert sich der Open Access Verband OpenAxs. Mit dem Netz ewz.zuerinet gibt es auch ein bereits funktionierendes Open Access Netzwerk. Das besondere am Schweizer Modell ist allerdings, dass das “Stimmvolk”, also die Stimmberechtigten der Städte entscheiden, ob die Stadtwerke das Geld für die Investition in Glasfaser genehmigt bekommen, wie dies im Fall der Stadtwerke Zürich erfolgte. Diese durch öffentliche Träger oder durch Public-Private-Parternships gegründeten Infrastrukturanbieter sind, ein Modell, dass in Deutschland hoffentlich bald Nachahmer findet!
Geschäftsmodelle
Wie im obigen Text bereits dargestellt, unterscheide ich zwischen den beiden Geschäftsmodellen Open Access und Full Service Provider.
Dabei bietet der Open Access Anbieter die Infrastruktur auf Basis beleuchteter Glasfaser an. Dies bedeutet, dass der Endkunde durch den Open Access Anbieter angeschlossen wird. Dabei erhält der Kunde eine Box (Home Gateway), in der die Glasfaser Terminiert wird und die Ethernet-Ausgänge bietet. Auf der anderen Seite terminiert der Open Access Anbieter dieses Signal und leitet die von Diensteanbietern dargestellten Dienstefunktionalitäten (z.B. Telefonie, Internet, TV, etc.).
Der Full Service Provider unterscheidet sich vom Open Access Anbieter indem dieser nicht nur die Infrastruktur sondern auch die Dienste aus eigener Hand mit bietet. Dieser hat somit naturgemäss kein Interesse an der Einleitung von fremden, nicht selbst erbrachten Diensten (Beispiele für Full Service Provider ist die Deutsche Telekom, Netcologne, EWE-Tel, etc.).
Daneben gibt es allerdings noch 2 weitere Geschäftsmodelle, die durch das Open Access Modell ermöglicht werden:
Den Diensteanbieter und den Dienstebroker.
Diensteanbieter sind Unternehmen, die einzelne Funktionalitäten bieten. Beispiele hierfür sind die VoIP-Diensteanbieter, z.B. Sipgate oder aber auch Video on Demand Anbieter, wie Maxdome. Spezialisierte Unternehmen, die sehr selektiv Dienste anbieten.
Dienstebroker kann man als Internet-Marktplatz für Diensteanbieter verstehen. Diese Broker sind sozusagen der Mittler zwischen den Endkunden und den Diensteanbietern. Es bietet sich dabei für Open Access Anbieter an, die Seite eines Dienstebrokers als Standard-Seite für den Einstieg zu nutzen, sofern natürlich ein Vertrag zwischen diesen Parteien besteht.
Geldflüsse
Ein sehr spannendes Thema in jedem Geschäftsmodell: wer zahlt was an wen?!?
Im Modell des Full Service Providers ist dies noch sehr einfach: der Anbieter erstellt selbst die Rechnung und betreibt das Inkasso gegenüber den Endkunden selbst. Dafür muss der Full Service Provider allerdings auch selbst alle Dienste realisieren. Die Differenzierung ist hier durch den Dienstemix und den örtlichen Ausbau gegeben.
Im Fall des Open Access Netzwerkes besteht wesentlich mehr Flexibilität bei den Geldflüssen:
So kann der Open Access Anbieter sich eine monatliche Gebühr von den Hauseigentümern zahlen lassen oder auch die Erstellung des Glasfaseranschlusses im Haus in Rechnung stellen. Er hat aber auch die Möglichkeit alle Zahlungen über die Diensteanbieter einzeln oder über den Dienstebroker (Beispiel für einen Dienstebroker: NDIX in den Niederlanden) gesamt abrechnen zu lassen. Dabei liegt die Verantwortung für die Rechnungsstellung und das Inkasso gegenüber Endkunden beim Diensteanbieter bzw. -broker. Über ein Revenue Sharing Modell und über eine mögliche Messung des individuellen Verkehrs lassen sich dabei exakt die Komponenten im Dienstemix des Endkunden ermitteln.
Spannend an diesem Modell ist, dass der Open Access Anbieter (häufig ein Stadtwerk) sich auf seine eigene Stärke berufen kann: Aufbau von Infrastruktur. Dagegen fokussieren sich die Diensteanbieter auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen. Insbesondere für die Vermarktung der Glasfaseranschlüsse ist der lokale Bezug ein wichtiger Faktor, allein schon, da es sich bei der Glasfaser um ein weiteres natürliches Monopol handelt.
von Norbert Steinhauser (TelecomDe.com, weitere Informationen zum Autor)
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