Studie: Breitbandausbau des deutschen TK-Netzes
10. T-City als Beispiel für Veränderungen durch Breitbandanwendungen
Smart City
Smart-City-Lösungen wirken mithilfe von IKT-Anwendungen in einem Gemeinwesen. Dabei bleibt zunächst offen, in welchen Bereichen die Anwendungen wirken und welche Änderungen sie auslösen. Die Voraussetzung für sogenannte „Smart Cities“ ist immer die Bereitstellung einer schnellen Breitbandinfrastruktur. Auf dieser können Netzbetreiber und Diensteanbieter ihre speziellen Anwendungen realisieren. Aus einer Kommune wird eine Smart City, wenn neue Anwendungen in überdurchschnittlich hohem Maße genutzt werden und die allgemeine Vernetzung steigt. Die Entwicklung zur Smart City ist ein permanenter Prozess und vermutlich zeichnet sich eine Smart City dadurch aus, dass regelmäßig neue Anwendungen getestet werden und aus der Vernetzung neue Lösungen hervorgehen.
Innovationsprojekt T-City
Das Innovationsprojekt T-City kann als Ansatz zur Realisierung einer Smart City durch eine Private Public Partnership gesehen werden. In dem Projekt werden zusammen mit Partnern Ideen für neue Breitbandanwendungen entwickelt und die Anwendungen erprobt. In zwei Jahren nach dem Start sind rund 30 Einzelprojekte gestartet worden. Da Entwicklung und Erprobung in der Regel längere Zeit beanspruchen, nutzen derzeit ca. 1000 Personen T-City Projekte.
Begleitende Kampagnen und Einzelaktionen
Neben den Projekten initiiert das Projektteam immer wieder neue Kampagnen und einzelne Aktionen mit begrenzter Laufzeit, beispielsweise den „Hotspot-Sommer“, bei dem in einem Zeitraum von fast drei Monaten über 30 Hotspots im Stadtgebiet kostenfrei genutzt werden konnten, während parallel Informationsveranstaltungen und Aktionen zur mobilen Internetnutzung durchgeführt wurden. Derzeit läuft die Aktion „Zukünftler werden“, bei der sich Haushalte um eine Ausstattung mit modernster IKT für ein Jahr bewerben können. Gesucht werden Haushalte in unterschiedlicher Konstellation, von der Studenten-WG über Single-Haushalte und Familien bis zu Senioren-Haushalten. Während der Aktion sollen insbesondere die durch die IKT-Ausstattung ausgelösten Änderungen im täglichen Leben beobachtet werden. Da die Aktionen irgendwann auslaufen und auch das Projekt T-City selbst Anfang 2012 endet, ist die Frage erlaubt, welche nachhaltigen Änderungen durch das Projekt in der Stadt ausgelöst werden? Oder sollte es am Ende gar keine nachhaltigen Wirkungen ergeben?
Nachhaltige Wirkung?
Eine nachhaltige Wirkung ist bereits durch den Ausbau der Festnetz- und Mobilfunkinfrastruktur an sich gegeben. Keine andere Stadt vergleichbarer Größe in Deutschland hat derzeit eine ähnlich „schnelle“ Infrastruktur mit bis zu 50 MBit/s im Festnetz und 7,2 MBit/s im Mobilfunk (jeweils auf der Download-Strecke). Andere Kommunen zahlen an die Netzbetreiber sechsstellige Beträge, um auch nur an das „normale“ DSL-Netz mit 16 oder auch 6 MBit/s angeschlossen zu werden. Trotz der Ankündigungen der Bundesregierung zum geplanten Breitbandausbau wird sich diese Situation auch in den nächsten Jahren kaum ändern. Für Friedrichshafen stellt allein die Breitbandinfrastruktur einen wesentlichen Standortfaktor dar. Die Bedeutung des Breitbandzugangs für Unternehmen belegen u.a. Umfragen der Industrie- und Handelskammer (IHK).
Nutzung neuer Medien
Neben den bislang gerade rund 1.000 Nutzern von Einzelprojekt-Lösungen zeigt T-City aber auch bei der Nutzung neuer Medien Auswirkungen. Die Nutzung des Internets und die Durchdringung mit DSL-Anschlüssen in den Haushalten sind stärker gestiegen als in Vergleichsstädten. Offensichtlich zeigen so die Maßnahmen für solche Zielgruppen Wirkung, die sich bislang eher zurückhaltend gezeigt haben. Die Vernetzung in den Unternehmen ist in Friedrichshafen deutlich gestiegen und liegt bereits über den Vergleichswerten in anderen Städten. Vernetzung ist aber eine Voraussetzung für effizientes Arbeiten und somit für Wettbewerbsfähigkeit. In der Wahrnehmung wird die Nutzung der neuen Medien in hohem Maße auch im privaten Bereich als wichtig und hilfreich für die Verbindung zu Freunden und Bekannten gesehen. Ein Veränderungsprozess ist somit bereits zu beobachten, der möglicherweise durch T-City ausgelöst schneller vonstatten geht als in anderen Kommunen vergleichbarer Größe.
Vernetzung auf verschiedenen Ebenen
Vernetzung wird in Friedrichshafen auf verschiedenen Ebenen vorangetrieben. Neben institutionalisierten Treffen für Senioren und Aktionen für Jugendliche sind mehrere neue Plattformen für Unternehmen entstanden. Die vier großen Unternehmen am Standort Friedrichshafen haben einen gemeinsamen Steuerkreis gebildet, der sich quartalsweise trifft, sowie einen Arbeitskreis, der neue IKT-Anwendungen für Unternehmen diskutiert und vorantreibt. Das „T-City-Partner-Netzwerk“ wurde im Herbst 2007 gegründet und besteht mittlerweile aus über 70 Unternehmen und Institutionen. Es dient dem Austausch und als Informationsplattform. Für Unternehmen, die an elektronischen Ausschreibungen teilnehmen wollen, wurde der Arbeitskreis „E-Vergabe“ gegründet, an dem über 90 Unternehmen mitwirken. Diese verschiedenen Netzwerke sind eine wichtige Voraussetzung für kooperative Projekte zwischen den Unternehmen in der Region und zur Realisierung von „Open-Innovation“-Vorhaben, bei denen sich mehrere Unternehmen die Arbeiten (und die Ergebnisse) an Neuentwicklungen teilen. Die Hochschulen in Friedrichshafen können an diesem Prozess mit Erfahrung und Know-how mitwirken. Die im Rahmen von T-City gestarteten Maßnahmen sollten eine Weiterentwicklung der „Innovationskultur“ in Friedrichshafen ermöglichen.
E-Government
Auch in der Vernetzung mit der Verwaltung zeigen sich bereits erste Auswirkungen von T-City, die nachhaltig zu Verbesserungen führen. Die Entscheidung des Gemeinderats für E-Government im Jahr 2008 und die konsequente Umsetzung in Form von Prozessanalysen und der Entwicklung digitaler Fachverfahren erlaubt in Verbindung mit dem neuen Stadtportal , manche Verwaltungsvorgänge online oder per Telefon durchzuführen. Medienbruchfreie Arbeit und durchgängige Prozesse schaffen einen Effizienzgewinn, der bereits heute eine Verlängerung der Öffnungszeiten im Bürgerbüro ohne zusätzliches Personal ermöglicht. E-Government ist als ein fortlaufender Prozess über die T-City Projektlaufzeit hinaus zu sehen, dessen Auswirkungen Schritt für Schritt spürbar werden.
Spürbare Auswirkungen
So sind bereits heute Veränderungen durch T-City festzustellen, die sich über die verbleibende Projektlaufzeit hinweg weiterentwickeln werden. Die Auswirkungen von neuen Lösungen im Bereich des Verkehrs können frühestens 2010 oder 2011 spürbar werden, wenn die bereits seit Anfang 2009 tätige Arbeitsgruppe ein umfassendes, interkommunal angelegtes Verkehrskonzept entwickelt und in die Umsetzung gebracht hat. Auch in den anderen Projektfeldern werden weitere Anwendungen hinzukommen, die das Gesamtbild abrunden. Es lässt sich allerdings feststellen, dass T-City mehr ist als die Summe der heutigen und zukünftigen Einzelprojekte. Auch die zeitlich befristeten Aktionen hinterlassen im positiven Sinne Spuren. Die Nutzung des mobilen Internets ist auch Monate nach Ende der „Hotspot-Sommer“-Aktion mehr als doppelt so hoch wie im Zeitraum vorher. Die Durchdringung mit dem Internetfernsehen (IPTV) ist in Friedrichshafen trotz starker Präsenz von Kabelfernsehen (CATV) deutlich höher als in anderen mit VDSL ausgebauten Regionen.
Messbare Veränderungen
So lässt sich erkennen, dass T-City für Friedrichshafen bereits heute messbare Veränderungen gebracht hat, die sich auf die Wirkung der „Basiskomponenten“ im Projekt zurückführen lassen:
• moderne und leistungsstarke Infrastruktur,
• Breitbandanwendungen, die gemeinsam mit Partnern realisiert werden,
• Zielgruppenmaßnahmen zur Förderung der Nutzung von IKT-Anwendungen,
• Aktionen, die auf die Möglichkeiten mit neuen Medien aufmerksam machen.
Je mehr Unternehmen und Bürger aus Friedrichshafen das Angebot der Innovationsplattform T-City nutzen, desto mehr lässt sich in der noch verbleibenden Projektlaufzeit erreichen und desto näher kommen wir gemeinsam dem Ziel der vernetzten Stadt mit ausgeprägter Innovationskultur. Es lässt sich zwar nicht feststellen, wann eine Stadt zur Smart City wird, aber mit Sicherheit ist Friedrichshafen durch das T-City Projekt auf dem Weg zur Smart City.
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Ein wirklich wunderbarer Beitrag von Herrn Dr. Jürgen Kaack! Eine wirklich ganzheitliche Betrachtung des deutschen Breitbandmarktes. Großes Kompliment,…