LTE – Glücksfall für Politik und Netzbetreiber – Pech für die Kommunen?
18 Jul. 2010 – 12:45 | 2 Comments

Die LTE-Technologie wurde mit vielen Vorschuss-Lorbeeren behandelt und die Versteigerung der Mobilfunklizenzen im Mai 2010 hat die Öffentlichkeitswirksamkeit weiter gesteigert. Es scheint unstrittig, dass die verwendete Modulation eine höhere Frequenz-Effizienz ermöglicht als dies bei den …

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Studie: Breitbandausbau des deutschen TK-Netzes

Submitted by JK on 12 Feb. 2010 – 18:26One Comment

8. in der Fläche braucht neue Geschäftsmodelle

Teure Last Mile

Auf längere Sicht und zur Erreichung von Bandbreiten oberhalb von 100 MBit/s führt eigentlich nichts an einer durchgängigen -Anbindung bis zum Hausanschluss vorbei. Gerade die „letzte Meile“ (Last Mile) vom Kabelverzweiger bis zum Hausanschluss erfordert allerdings in der Mehrzahl aller Fälle Tiefbaumaßnahmen. In der Regel haben die Kommunen keine eigenen Leerrohre in den Straßen verlegt, die zum Einziehen von Glasfasern genutzt werden könnten. Selbst vorhandene Leerrohre können nicht in jedem Fall genutzt werden, da Glasfasern nur in Netzen mit stumpfem Winkel und mit geeigneter Wandstruktur mit Druck in ein vorhandenes eingeblasen werden können.

8.1 Kostentreiber beim Ausbau ist der Tiefbau

Hohe Investitionskosten

Wenn Leerrohre neu in allen Straßen verlegt werden müssen, fallen erhebliche Kosten an. Je nach Verlegetechnik (Aufgraben, Saug-Spül-Technik, Durchschießen) ist mit Kosten in Höhe von 80 bis 120 Euro pro Meter zu kalkulieren. Die Kosten für die Leerrohre selbst (unter 5 Euro pro Meter) und das Setzen von Schächten fallen dabei kaum zusätzlich ins Gewicht. Von den Leerrohren in der Straße bis zum Haus können fallweise Mini-Pipes ohne eine Öffnung der Oberfläche durchgeschossen werden. Für den einzelnen Hausanschluss auf der Basis von Leerrohren kann bei einer unabhängigen Verlegung ohne Kostenteilung mit Kosten in Höhe von 1.000 bis 1.600 Euro gerechnet werden. Dabei sind die Kosten der eigentlichen Übertragungstechnik und der Hausanschluss sowie die ggf. erforderliche Inhouse-Verkabelung noch nicht enthalten. Für den Bau eines neuen flächendeckenden Glasfasernetzes bis in jeden Haushalt dürften Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Euro anfallen.

8.2 Neue Wege für den

Mangelnde Rendite

Für die Netzbetreiber sind auch Teilbeträge solcher Vorlauf-Investitionen in der Regel zu hoch, um den Renditewünschen der Gesellschafter und der Aktionäre Genüge zu tun. Infrastrukturvorhaben rechnen sich in den allermeisten Fällen erst bei einer 20-jährigen Abschreibungsfrist, wie sie auch bei öffentlichen Infrastrukturen wie Straßen und Schienen üblich ist. Mit den in der Telekommunikation anzutreffenden drei bis sieben Jahren für die Abschreibung von Netzinfrastrukturen ist eine Rendite nur in Ausnahmefällen (z.B. in Ballungsgebieten) über einen kürzeren Zeitraum zu erzielen. Einige Netzbetreiber gehen von einer Größenordnung von 15% der Haushalte im Versorgungsgebiet aus, die unter derzeitigen Bedingungen wirtschaftlich mit Glasfasern ausgebaut werden können. Daher sind die Netzbetreiber immer noch sehr zurückhaltend beim bis zum Hausanschluss. In anderen Ländern, die in der -Durchdringung deutlich vor Deutschland rangieren, hat meistens der Staat den Ausbau entweder als Infrastrukturmaßnahme subventioniert oder er ist selbst Betreiber der Telekommunikationsnetze. Hier sind die bestehenden alten Netzinfrastrukturen allerdings oft in einem solchen Zustand, dass ein Ausbau mit VDSL überhaupt nicht in Betracht kommt.

Trennung von Netz- und Dienste-Ebene

Die Rahmenbedingungen für die -Verlegung machen neue Geschäftsmodelle erforderlich, um den Ausbau zu beschleunigen und in die Fläche zu bringen. Eine Trennung von Netz- und Dienste-Ebene war in einem bis 1998 auf Telefonie ausgelegten Netz nicht sinnvoll. Für ein schafft dies neue Ansätze bei Kooperationen und Geschäftsmodellen gemeinsam mit neuen Partnern. Es wird in Zukunft allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich sein, mehrere Glasfasertrassen unabhängig voneinander zu einem Haushalt zu führen. Von der verfügbaren Bandbreite her ist das auch nicht erforderlich, können doch Geschwindigkeiten im GBit/s-Bereich über eine Faser übertragen werden. Schnelle Datenübertragung, Sprache und Fernsehen in hochauflösender Qualität (HDTV) können über ein und dieselbe zugeführt werden. Wenn es genau wie es nur einen Wasseranschluss zum Haushalt und nur einen Gasanschluss zukünftig auch nur einen Glasfaseranschluss gibt, muss von vornherein verhindert werden, dass ein solches regionales Monopol Einschränkungen in der Wahl der Dienste und Inhalte zur Folge hat.

So ist es ein realistisches Szenario, dass ein Infrastrukturanbieter den Anschluss realisiert und hierfür einen zu erwartenden Monatsbetrag in Höhe von 10 Euro beim Anschlussinhaber berechnet. Dann können Telefonie, Internet und Fernsehen, aber auch professionelle Lösungen in Verbindung mit Cloud-Computing-Anwendungen auf Wunsch von unterschiedlichen Dienste- und Inhalte-Anbietern gebucht werden. Selbst bei diesen Marktgegebenheiten wird es immer noch eine erhebliche Zahl von Nutzern geben, die lieber ein Komplettangebot aus einer Hand und mit einer Rechnung haben, und auch hierfür kann es in diesem Szenario weitere Anbieter geben.

8.3 Trennung von Netz und Diensten ist eine Lösung

Network (OAN)

Mit solchen Ansätzen entstehen Open-Access-Netze, die ihren Namen wirklich verdienen und für neuen Wettbewerb bei Diensten (Service) und Inhalten (Content) sorgen werden. Je nachdem wer den Glasfaseranschluss realisiert, kann der Infrastrukturanbieter auch selbst eigene Dienste und Inhalte im Wettbewerb anbieten. Die heutige Struktur im Telekommunikationsmarkt kennt neben den auf Vermarktung spezialisierten Resellern in erster Linie vertikal integrierte Anbieter, die ihre Netze nur in Ausnahmefällen für andere Anbieter öffnen. So kann man sich heute nur schwer vorstellen, dass ein -Netzbetreiber Sprachdienste der Deutschen Telekom oder von Vodafone anbietet. Umgekehrt ermöglicht die Deutsche Telekom derzeit keine Kabelfernsehangebote über ihr VDSL-Netz. Bei einem vergleichbaren Angebot ist das sicher heute zu verschmerzen. Aber in Verbindung mit zukünftigen Angeboten für Bildung, Telemedizin, Smart Grid, häusliche Pflege, Hausautomation und weitere innovative Anwendungen der nächsten Jahre kann das geschlossene, vertikal integrierte Geschäftsmodell der heutigen Anbieter äußerst hinderlich und kontraproduktiv sein.

Erste Glasfasernetze

Für den Aufbau der zukunftssicheren Glasfasernetze im Anschlussbereich kommen sicher auch die heutigen Netzbetreiber selbst in Betracht, obwohl das Volumen der Investitionen in passive Netze und die Abschreibungszeiträume die derzeit zu beobachtende bremsende Wirkung auf den zeigen. Aufseiten der Netzbetreiber ist heute insbesondere die Kölner NetCologne GmbH auf den Zug der -Anbindung mit Verlegung eigener Fasern bis zum Haus aufgesprungen. In anderen Pilot-Städten wie Coburg, Gelsenkirchen oder Schwerte erfolgt der Ausbau durch kommunale Organisation, z.B. durch die Stadtwerke. Ähnlich wie der Ausbau der VDSL-Netze wird es für die Netzbetreiber auch beim Ausbau der Glasfasernetze bei der Fokussierung auf Ballungsgebiete bleiben. Kleinstädte und der ländliche Raum dürfen aber bei der -Anbindung nicht abgehängt werden.

8.4 Stadtwerke und Versorgungsunternehmen als Partner

Passives Anschlussnetz

Für den weiteren Ausbau der Netze ist es nahe liegend und konsequent, dass Stadtwerke (oder Versorgungsunternehmen) neben den Hausanschlüssen für Wasser, Strom, Gas und Abwasser auch die Anbindung an ein passives schaffen und betreuen. Die Abschreibungszeiträume sind für diese Infrastrukturen gleich lang und die Verlegekosten vergleichbar hoch.

Koordination der Tiefbauarbeiten

Ein weiterer Aspekt spricht für ein solches Szenario: Straßen werden durchschnittlich alle 10 bis 15 Jahre einmal geöffnet. Wenn eine Kommune heute einen „Masterplan“ für den Aufbau einer -Infrastruktur erstellt, dann können die so oder so anfallenden Tiefbauarbeiten genutzt werden, um an geeigneter Stelle und in passender Tiefe Leerrohre im Beilauf mitzuverlegen. Dabei ist der eigentliche Hausanschluss allerdings immer noch ein offener Punkt, da entweder an jedem Grundstück ein Schacht und eine Muffe im gesetzt werden müssen oder Mini-Pipes von wenigen geeigneten Punkten in der Straße über einen längeren Abschnitt nachträglich verlegt werden müssen. Auf jeden Fall wird bei entsprechender Vorplanung der Aufbau eines Glasfasernetzes (zunächst als FTTB) wesentlich weniger kostenintensiv als eine Verlegung mit gesonderter Tiefbauverlegung. Um dies Wirklichkeit werden zu lassen, muss aber jetzt mit den Planungen und der Verlegung begonnen werden.

Gewinnschwelle unter 15 Jahre

Auf diesem Wege wird der Anschluss mit vermutlich bereits für 500 Euro zu realisieren sein. Wird dann jeder dritte Haushalt tatsächlich angeschlossen, ergibt sich ein (ohne Zins und Zinseszins) ermittelter Break-even-Point (BEP) schon unter 15 Jahre. So lässt sich ein organisch wachsender in Deutschland ohne öffentliche Mittel in Höhe von 100 Mrd. Euro finanzieren. Dabei können Fördermittel oder Bürgschaften für regionale Betreibergesellschaften helfen, um entsprechende Projekte in Gang zu bringen.

8.5 Organisation der Wertschöpfungsstufen

Private Public Partnerships

Zur Eingrenzung von Risiken können eigenständige Projekt- oder Infrastrukturgesellschaften für die passiven Breitbandnetze sinnvoll sein. Dabei bieten Private-Public-Partnership-Modelle die Chance, unterschiedliche Stärken zu verbinden. Hierbei ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Betreibergesellschaft nur die -Infrastruktur baut und unterhält oder ob auch Glasfasern eingezogen und in einem weiteren Schritt der Wertschöpfung auch „beleuchtet“ werden. Dies hängt zum einen von den vorhandenen Kompetenzen ab und ist zum anderen eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Einheitliche Schnittstellen

Ein noch zu lösendes Problem liegt in der Gestaltung von einheitlichen Schnittstellen für die unterschiedlichen Protokolle von Diensten und Inhalten. Nur mit solchen technischen Standards kann die gemeinsame auch tatsächlich in den Haushalten und Unternehmen für die unterschiedlichen Dienste und Inhalte genutzt werden.

Weitere offene Fragen

Weitere Fragen für solche offenen Strukturen sind im Zusammenhang mit Kundenbetreuung, Rechnungsstellung, Datenschutz usw. zu klären. Es muss verhindert werden, dass Anbieter mit ihren Lösungen willentlich oder unwillkürlich andere Anwendungen stören oder Netze lahmlegen. So stellt sich die Frage, ob es eine Zertifizierung oder Zulassung von Anbietern geben soll. Auch der Aspekt der Kundenbeziehung und die in der Telekommunikation immer wieder gern diskutierte Frage der Customer Ownership bedürfen einer neuen Definition.

Zentrale Koordination

Es wird auf dem Weg zu einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur nicht ohne eine Koordination durch eine staatliche Institution wie ein Breitband-Kompetenzzentrum (Broadband Competence Center, BBCC) oder IKT -Kompetenzzentrum (ICT Competence Center) funktionieren. Andernfalls wird es wesentlich länger dauern und es wird viel Doppelarbeit geben, da immer wieder ähnliche Modelle aufs Neue erprobt oder verworfen werden müssen. Ländliche Regionen, die auch schon mal an den Grenzen der Ballungsgebiete anfangen, könnten ohne staatliche Koordination das Nachsehen haben und länger von einem abgeschnitten bleiben.

Bereits verfügbare Bausteine

Die wichtigen Bausteine auf dem Weg zu einem zukunftssicheren entlang der Wertschöpfungskette sind heute bereits vorhanden:

• Hersteller von Übertragungstechnik, Glasfasern und Infrastrukturkomponenten sind vorhanden und verfügen über erforderliche Systeme.
• Regionale Betreiber- oder Projektgesellschaften für die passive Infrastruktur (Leerrohrsystem) können gemeinsam mit Kommunen, Stadtwerken, Versorgern und anderen Institutionen gebildet werden.
• Betreibergesellschaften für offene Netzplattformen, die die Übertragung über die regionalen Netze ermöglichen und Anbietern von Telekommunikationsdiensten, Anwendungen und Inhalten den Zugang ermöglichen, können unter Einbeziehung von bestehenden Netzbetreibern gebildet werden.
• Angebote von Diensten und Inhalten sind bereits heute vorhanden (z.B. von den Netzbetreibern, Kabelfernsehgesellschaften und Medienanbietern) und werden sich bei Vorhandensein offener Plattformen schnell um neue mittelständische Unternehmen erweitern.
• Vermarktung und Kundenbetreuung werden bereits heute durch unterschiedliche Unternehmenstypen (Netzbetreiber, Internet Service Provider, Kabelnetzbetreiber, Diensteanbieter, Reseller usw.) realisiert.
• Kundengeräte (Router, Antennen, Set-Top-Boxen usw.) werden auch bei neuen Übertragungstechniken benötigt. Bei wachsendem Markt und einer Standardisierung ist hier nicht mit Engpässen zu rechnen. Vermutlich werden auch zukünftig Produktbündel bei längeren Vertragslaufzeiten preisreduziert angeboten.

Öffnung der vertikalen Geschäftsmodelle

Der größte Schritt auf dem Wege zu einer Breitbandinfrastruktur liegt nicht in der Schaffung der „neuen“ Wertschöpfungsstufe der regionalen Betreibergesellschaften für (passive) LeerrohrInfrastrukturen, sondern in der Öffnung der bislang weitgehend geschlossenen vertikalen Geschäftsmodelle hin zu offenen Strukturen mit Schnittstellen und Standards für die Anbindung von Angeboten dritter Anbieter.

  1. Wachsender „Breitband-Hunger“
  2. Breitbandausbau erfolgt nicht als Selbstzweck
  3. Problemfall regionale Zugangsnetze
  4. Ablauf eines Breitbandprojektes im ländlichen Raum
  5. Ziele und Realität beim Breitbandausbau klaffen auseinander
  6. Förderung heute auf „schmalbandigen“ Breitbandausbau begrenzt
  7. Techniken für eine zukunftssichere Breitbandversorgung
  8. Breitbandausbau in der Fläche braucht neue Geschäftsmodelle
  9. Politische Rahmenbedingungen zur Zielerreichung anpassen
  10. T-City als Beispiel für Veränderungen durch Breitbandanwendungen
  11. Fazit

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One Comment »

  • JdC says:

    Ein wirklich wunderbarer Beitrag von Herrn Dr. Jürgen Kaack! Eine wirklich ganzheitliche Betrachtung des deutschen Breitbandmarktes. Großes Kompliment,…

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