VATM und acoreus gegen Deutschen Telekom: Hat Call-by-Call eine Chance?
Die aktuelle Entscheidung des Regulierers sichert Call-by-Call und Preselection auch für die Zukunft. Dabei stützen sich die Entscheider weitgehend auf die durch den Branchenverband VATM unter Mitwirkung von acoreus aufgebaute Argumentation. Damit geht der Plan der Deutschen Telekom nicht auf, Call-by-Call künftig abzuschalten und damit Wettbewerb zu reduzieren.
Die seit der Marktliberalisierung im Jahr 1998 eingeführten so genannten „Carrier-Selection-Dienste“, das sind Call-by-Call und Preselection, sind die Erfolgsgeschichte des frühren TK-Wettbewerbsmarktes in Deutschland. Die Preise insbesondere für Fern- und Auslandsgespräche wurden binnen weniger Jahre auf ein Zehntel reduziert. Auch wenn die Nachfrage nach diesen Diensten durch Komplettanschlüsse und Flatrates zurückgegangen ist, erfreuen sich by-Call-Dienste nach wie vor großer Beliebtheit. Die schrittweise Umstellung der TK-Anschlussnetze auf die Technologie des aus dem Internet bekannten IP-Protokolls – Stichwort „Next Generation Network“ (NGN) – hat nun der ehemalige Monopolist Deutsche Telekom zu einem Versuch genutzt, Carrier-Selection-Dienste abzuschaffen. Argumentation aus Bonn: Bei dem an Bedeutung verlierenden Geschäft ständen die zu leistenden Aufwände im NGN für den Erhalt der Dienste in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Verbraucher.
Die Tatsachen liegen anders. Zwar ist richtig, dass das Nutzungsvolumen der Dienste im Bereich Carrier Selection von seinem Höchststand im Jahre 2005 wieder auf das Niveau von 2003 zurückgefallen ist. Mit 114 Mio. Minuten in 2009 sind diese nach dem Komplettanschlussprodukt jedoch das wichtigste Angebot des Wettbewerbs. Und die Anrufzahlen für Call-by-Call in den Bereichen Ausland und nationale Mobilfunknetze steigen noch immer weiter an. Für viele Millionen Endkunden in ländlichen Gebieten ist Call-by-Call letztlich auch die einzige Chance, an dem Wettbewerbsmarkt Telekommunikation teilzuhaben.
Darüber hinaus führt die vorgeschobene Aufwandsdiskussion der Telekom in eine Sackgasse: Die Implementierung und Bereitstellung der verbraucherfreundlichen Carrier-Selection-Dienste sowohl in den bestehenden als auch in den zukünftigen „Next Generation Networks“ ist über die ohnehin schon vorhandenen Mechanismen möglich und damit ohne Mehraufwand zu leisten.
Es geht also mehr um das „Wollen“ als um das „Können“. Die Bedeutung der Dienste für einen fairen Wettbewerb sowie die Einfachheit der technischen Bereitstellung konnte acoreus zusammen mit anderen Mitgliedern des VATM in einem Positionspapier ausarbeiten und in mehreren Veranstaltungen sowohl Vertretern der Politik als auch der Fachöffentlichkeit darstellen. „Es war sehr wichtig, dass die acoreus AG gemeinsam mit dem VATM und anderen Mitgliedsunternehmen an einem Strang gezogen hat, um Call-by-Call und Preselection auch bei der neuen Technologie zu erhalten“, unterstreicht Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.
In der aktuellen Verfügung der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (Aktenzeichen BK 2c 09/002-R) wird die Argumentationslinie von acoreus und VATM vollständig reflektiert: Die Deutschen Telekom wird darin nicht nur zur netzseitigen Unterstützung von Carrier Selection unabhängig von der eingesetzten Technologie verpflichtet, sondern auch aufgefordert, diese Verpflichtung sofort und ohne Übergangsfristen umzusetzen.
„Die Entscheidung des Regulierers ist ein wichtiger Erfolg für den Verbraucher und ein klares Bekenntnis der Politik zum Wettbewerb“, sagt Andreas Dippelhofer, Vorstand der acoreus AG. „Als Dienstleister für die Telekommunikations- und Internetbranche haben wir ein waches Auge auf die Entwicklungen der Märkte. Wir sind stolz darauf, durch unsere Mitarbeit einen wichtigen Beitrag für die Geschäftssicherung unserer Auftraggeber und auch für den Verbrauchermarkt in Deutschland geleistet zu haben.“
via www.acoreus.de
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