Das bestehende Businessmodell der Mobilfunkprovider ist am Ende – oder warum T-Mobile Skype sperren möchte
T-Mobile kündigte nach der Veröffentlichung für das iPhone letzte Woche die Sperrung des Services Skype in seinem Netz an. Als Begründung führte das Unternehmen die Beeinträchtigung seines Netzes und die “schlechte” Gesprächsqualität von Skype an, welche dem guten Ruf von T-Mobile schaden könnte. Dies spiegelte die vermeintlich unantastbare Macht der Provider wider. Es könnte aber auch sein, dass dies die letzten Atemzüge eines nicht mehr funktionierenden Businessmodells sind.
Die Mobilfunkbetreiber investieren unglaubliche Summen in ihre Netze, um sich von Mitbewerbern abzugrenzen, und dies genügte während der letzten Jahre auch, um Kunden für sich zu gewinnen. Eine gute Gesprächsqualität und ein kostenloses Handy reichten viele Jahre für zufriedene Kunden aus. Die Verbundenheit mit einem Netzanbieter war so groß, dass es keine Gedanken an einen Wechsel aufgrund neuer Funktionen bzw. neuer Endgeräten gab. Endgeräte, die nicht in dieses geschlossene Universum passten und zu offen waren, wurden von den Providern einfach nicht angeboten. Die meisten Mobilfunkprovider verstehen heute aber, dass die gute Gesprächsqualität selbstverständlich ist, und die Kunden schicke, innovative Geräte möchten, mit denen man beispielsweise Musik hören oder im Internet surfen kann.
Als die Mobilfunkprovider dies vor einigen Jahren verstanden, wuchsen unzählige Mehrwertdienste der Provider aus dem Boden. Die Mobilfunkanbieter investierten Unsummen in neue Content- und Entertainment-Angebote ihrer Netze. Eine ganze Branche lebte gut von den Millionen der Mobilfunker und entwickelte Dienste wie iMode, Verizon’s VCast (Musikdienst), T-Mobile Music (Musikdienst) oder Vodafone Music Unlimited (Musikdienst). Manche Dienste haben wohl das investierte Geld wieder eingespielt, ich denke aber, dass das bei über 90 Prozent nicht geklappt hat. Denn eines vergessen die Mobilfunkprovider: Der Kunde möchte keine von T-Mobile entwickelte Community – er möchte Facebook, er möchte kein Vodafone Music Unlimited – er möchte iTunes. Es gibt unzählige wunderbare Anwendungen im Internet, und diese möchte er nutzen, denn jede einzelne ist besser, spezialisierter und verbreiteter als die Dienste der Netzanbieter.
Keiner der bisherigen Endgerätehersteller konnte oder wollte dieses geschlossene Universum aufbrechen und entwickelten lieber eigene Dienste für die Carrier. 2007 allerdings kündigte Google ein eigenes Betriebssystem für mobile Endgeräte an – Android. Dieses neue Betriebssystem schwappte wie eine große Welle über die Mobilfunkbranche und brachte Angst und Entsetzen. Android war anders, denn Googles OS war offen für das Internet und integrierte bekannte Dienste aus dem Netz, wie Strassenkarten oder Internetsuchen. Auch Drittanbieter können für das Betriebssystem eigene Software schreiben, so zum Beispiel Twitter, der damit seine 140 Zeichen Social-Messaging Plattform direkt in das mobile Endgerät einbindet. Gleichzeitig wurden auch die Gerüchte über das Apple iPhone Realität. Apple setzte zwar nicht auf einen so offenen Weg wie Google, bot allerdings auch die Möglichkeit, sehr bequem im Internet zu surfen und über den AppStore Software von Drittanbietern direkt aus dem Netz zu laden. Google und Apple hatten eine solche Markenmacht, dass Kunden erstmalig den Netzanbieter wechselten, um an die neuen Endgeräte und deren Möglichkeiten zu kommen. Und hier ging es natürlich nicht um die Gesprächsqualität.
Die Netzanbieter überboten sich gegenseitig, um an Exklusivverträge mit den Herstellern zu kommen und damit neue Kunden zu erreichen. Gleichzeitig hatten die Mobilfunkanbieter enorme Angst vor den neuen Möglichkeiten der Endgeräte. Denn was tun, wenn die Kunden keine SMS mehr versenden, sondern über einen Twitter Client kommunizieren? Und was tun, wenn sie mit dem Teufelsdienst Skype auch noch telefonieren? Jetzt sind wir in der letzten Woche angekommen, die Mobilfunkanbieter spielen ihre letzte Karte der Macht aus: Sie kündigen die Sperrung des Skype-Dienstes in ihren Netzen an. Dies kann nur der falsche Weg sein, denn es kann nicht gut sein, Kunden das zu verbieten, was sie möchten. Die Kunden möchten ungefilterte Möglichkeiten, auf Ihre Internetanwendungen zuzugreifen. Und dies aufgrund derzeit fehlender Businessmodelle zu verbieten, wird nicht lange gut gehen. Es gab nach meinem Wissen noch nie ein erfolgreiches Unternehmen oder eine Branche, die sich auf Dauer mit Verboten und Sperrungen bei neuen Kunden durchsetzen konnten. Nicht allein der mächtige Druck durch die Kunden wird die Mobilfunkbetreiber zum Umdenken bewegen, auch die einflussreiche Lady namens Europäische Union (EU) wird hier enormen Druck aufbauen. Nach der Bekanntgabe der Skype-Sperrung im T-Mobile Netz kündigte die EU bereits die Prüfung eines solchen Vorgehens an. EU Telekommunikations-Kommissarin Viviane Reding kündigte an, die Netzanbieter dazu zu drängen, die Netze für VoIP-Dienste wie Skype zu öffnen.
Was bleibt für die Netzanbieter jetzt noch übrig? Hohe Support-Kosten, hohe Netzinvestitionen, hohe Akquisekosten bei neuen Kunden, fehlende Einkünfte durch Gespräche und andere Mehrwertdienste und fehlende Loyalität der Kunden, da diese ihre Internetdienste aus jedem Netz bekommen? Keine tollen Aussichten, oder?
Ich denke aber, es gibt gute Chancen für die Mobilfunkanbieter, wenn sie verstehen, dass es kein “mobiles Internet” gibt – sondern nur DAS INTERNET. In einer aktuellen Studie (PEW) geben 77 Prozent der Bürger an, gerne von unterwegs Internetanwendungen nutzen zu wollen. Hierbei spielt es keine Rolle, ob wir über iPhones, Google Handys, Netbooks oder Kindle sprechen. Die Telefonie ist nicht das Hauptanwendungsgebiet für mobile Endgeräte, Surfen, Instant-Messaging, Musik hören etc. sind gleichberechtigte Anwendungsgebiete und können nicht mehr getrennt werden. Die Mobilfunkanbieter müssen verstehen, dass sie in der Rolle des Content-Anbieters gegen das Internet nicht gewinnen können. Ein neues Businessmodell muss deshalb die vielfältige Nutzung des Internets möglich machen.
von Jonas da Coll (TelecomDe.com, weitere Informationen zum Autor)



Selbst wenn die EU interveniert wird es wohl trotzdem noch ewig dauern bevor solche Sperren zürückgenommen werden, oder es wird wie auch beim international roaming verzögert bis der Arzt kommt. So nach dem Motto die Veträge können ja eh nicht von jetzt auf gleich gekündigt werden also noch ab greifen was geht.
Was auch vorstellbar wäre ist ein verzicht von weniger profitablen Netzsegmenten und ein focus auf UMTS oder wer weiß was noch so kommt um so an den höheren Gebühren doch wieder ordentlich zu verdienen.
Ich für meinen Teil suche mir einfach alternativen (http://www.meebl.de). Ich lass mir doch nicht meine kostenlosen Gespräche bzw. meine kostenlosen Telefonkonferenzen nehmen.
Dank meiner vertraglich zugesicherten deutschlandweiten Festnetzflatrate kann mein Provider hier nicht einmal etwas gegen tun.
guter Artikel, stimme ich zu!