Konvergenzdienste – Grundlage für zukünftige Innovationen in der Telekommunikation
Seit über 10 Jahren taucht das Schlagwort „Konvergenz“ immer wieder in der Presse auf, tatsächliche Telekommunikations-Dienste lassen aber auf sich warten! Bislang werden in erster Linie solche Konvergenzdienste angeboten, die auf Tarifvarianten basieren. Wird es tatsächlich bei der Netzinfrastruktur in absehbarer Zeit Konvergenz geben? Ist die Zeit in Verbindung mit der Umstellung auf die IP-Übertragung nach dem Internet-Protokoll für den traditionellen Sprachdienst reif für innovative Konvergenzdienste? Was leisten sie und wem nutzen sie? Werden die heutigen Netzbetreiber die Verlierer sein? Können Konvergenz-Dienste den Telekommunikations-Markt und die Wettbewerbssituation grundlegend ändern? Welchen Nutzen bieten konvergente Dienste Unternehmen als Anwender?
Gründe für Konvergenz
Bis in die 80er Jahre hatte der durchschnittliche Europäer einen privaten und fallweise einen geschäftlichen Telefonanschluss sowie als Nachrichten-„System“ bestenfalls einen Anrufbeantworter. Mit der zunehmenden Popularität von Fax und der steigenden ISDN-Verbreitung verdoppelte sich die Anzahl der Anschlüsse. Die Einführung der digitalen Mobilfunknetze nach dem weltweiten GSM-Standard ab Anfang der 90er Jahre sorgte in steigendem Maße für die weitere Erhöhung der Anzahl alternativer Kommunikationswege. Mittlerweile haben wir auch in Deutschland seit Ende 2006 eine Mobilfunk-Durchdringung von über 100 % der Gesamtbevölkerung erreicht und wie die Beispiele anderer Länder (z.B. Italien und Skandinavien) zeigen, ist bei 100 % Penetration noch nicht das Ende des Wachstums erreicht.

Zeitgleich mit der zunehmenden Verbreitung des Mobilfunks steigt die Akzeptanz und Nutzung des Internets, zunächst auf der Basis schmalbandiger Zugänge und in zunehmendem Maße mit zu erwartenden 50 % der Haushalte ab 2008 mit schnellen Breitbandzugängen. Zu den eher sprachorientierten Diensten kommen für den Anwender neu die datenorientierten Kommunikationsangebote hinzu, z.B. SMS und Email. Ergänzt wird die Email-Kommunikation, die sich in die private und geschäftliche Nutzung aufteilen lässt, um Instant Messaging (IM) und Chat als synchrone Kommunikationsmittel.

Seit Ende der 90er Jahre ist die Sprachkommunikation über das Internet nach einem der verschiedenen VoIP-Protokolle (vorwiegend SIP) auch für den breiten Markt verfügbar, nachdem dieser Dienst in früheren Jahren eigentlich eher technisch versierten Spezialisten zur Community-internen Kommunikation vorbehalten war. Die derzeitigen Lösungen ermöglichen die Kommunikation über Netzübergänge (Gateways) in öffentliche Telekommunikationsnetze (PSTN) zu nahezu jedem Teilnehmer mit einem Festnetz- oder Mobilfunkanschluss. Der Nutzer erhält eine persönliche Rufnummer, die entweder ortsgebunden ist oder ortsunabhängig (0700) sein kann. Für ortgebundene Rufnummern sieht der Regulierer (die Bundesnetzagentur) eigentlich einen Nachweis über den Ort des Endgerätes vor (um Not- und sog. „Röchelrufe“ zu lokalisieren), allerdings zeigt die Realität, dass die Rufnummer nicht unbedingt mit dem Standort des Nutzers übereinstimmen muss. Mit einer derartigen individuellen Rufnummer (dies kann eventuell auch eine 012er Rufnummer sein) ist auch ein Anruf vom Festnetz zum VoIP-Anschluss möglich.
Addiert man die Anzahl der heute durchaus gängigen und wenn auch nicht von allen, so doch von zunehmend mehr Personen genutzten Dienste, so kommt man leicht auf sechs unterschiedliche Kommunikationswege und somit auch sechs verschiedene Rufnummern! Bei privater und geschäftlicher Nutzung verdoppelt sich dies noch mal! Mit der Anzahl der Kommunikationswege erhöht sich gleichzeitig die Möglichkeit, dem gerade nicht erreichbaren Gesprächspartner eine Nachricht zu hinterlassen. Hierfür gibt es neben den netzinternen Mailbox-Systemen, die grundsätzlich von jedem anderen System aus abfragbar sind, auch Geräte-spezifische Lösungen. Man kann davon ausgehen, dass bei sechs Kommunikationszugängen sechs unterschiedliche Systeme Nachrichten erfassen!
Arten von Konvergenz
Aktuelle Angebote mit gebündelten Diensten, z.B. Festnetztelephonie und Internetnutzung erfreuen sich steigender Beliebtheit. In diese Kategorie der Tarifkonvergenz gehört die von der Deutschen Telekom im Herbst 2006 auf en Markt gebrachten „Call & Surf“ Angebote mit kombinierter Flatrate für Sprache und DSL. Aber dies ist nicht die einzige Möglichkeit, Konvergenzangebote zu realisieren. Konvergenz zwischen Übertragungswegen und Diensten kann in unterschiedlicher Weise erfolgen. Dies ist auch der Grund, warum der Konvergenzbegriff in der Diskussion nicht einheitlich gehandhabt wird. Die Bandbreite der möglichen Umsetzung reicht einer Tarifvariante ohne eine technische Verknüpfung der Dienste bis zur vollständigen Integration der Netzinfrastrukturen. Folgende Konvergenztypen werden für die weitere Betrachtung unterscheiden:
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Virtuelle Konvergenz (Tarifvarianten und Rufweiterleitung)
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Konvergenz der Anschlussnetze (Fest- und Mobilfunknetz)
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Zusammenführung der Sprachtelephonie und der zugehörigen Rufnummern über Netzgrenzen in Mobilfunk und Festnetz hinweg
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Konvergenz im Messaging (SMS, MMS, IM)
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Unified Messaging als Konvergenzdienst zur Nachrichtenverwaltung (Voicemail, Email, Fax, Kalender, Directory, … )
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Triple-Play als Möglichkeit zur Einbindung von Medieninhalten
Bisherige Entwicklungen
Die steigende Komplexität in der Kommunikation hat schon früh zu Überlegungen geführt, wie sich die Nutzung vereinfachen lässt. Die wesentliche Zielsetzung ist die Vereinfachung für den Anrufer, indem die Anzahl der Anschlüsse (Rufnummern) und der Systeme für die Aufnahme von Nachrichten reduziert werden. Mitte der 90er Jahre tauchte der Begriff der Konvergenzdienste zum ersten Mal häufiger auf. Damals bezog sich der Konvergenz-Ansatz primär auf die Zusammenführung von Mobilfunk- und Festnetzdiensten. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich diese Ansätze als Tarifvarianten, die eher die Substitution von Festnetzanschlüssen durch Mobilfunk fördern sollten als eine tatsächliche Konvergenz. Ein Vorreiter dieser Entwicklung war die damalige VIAG Interkom (heute o²) mit dem „Homezone“-Ansatz, bzw. dem „Genion“-Tarif. Für bestimmte Zielgruppen, z.B. Studenten oder besser verdienende Singles, ist diese Option sicher nach wie vor interessant. Eine damals wie heute bestehende Einschränkung bei dieser Art der Konvergenz ist der Internet-Zugang und fallweise der eher an Bedeutung abnehmende Fax-Anschluss. Zwar ist ein Internetzugang auch über UMTS möglich, allerdings mit derzeit noch eingeschränkter Bandbreite von 384 KBit/s und höheren Kosten.
Ein weiterer Versuch zur Realisierung von Konvergenzdiensten wurde mit den 0700er Rufnummern unternommen. Die zugrundeliegende Idee ist die Schaffung „einer“ Rufnummer, die nur an eine individuelle Person gebunden ist und nicht mehr an einen Anschluss oder ein Gerät. Mit diesem Dienst können mehrere Anschlüsse verknüpft werden, egal ob es sich hierbei um Mobilfunk- oder Festnetzanschlüsse handelt. Bei einem Umzug entfällt bei einer 0700er Rufnummer die Notwendigkeit eines Wechsels der Festnetzrufnummer. Nachteile dieses Dienstes sind neben den Wartezeiten bei der Rufweiterleitung die höheren Kosten hierfür, die der Angerufene bei Weiterleitung von Anrufen über Netzgrenzen hinweg tragen muss, sowie die Komplexität bei der Einrichtung und dem Management der Rufweiterschaltungen. Der Nutzer muss entscheiden, wann und unter welchen Bedingungen der Ruf an welchen Anschluss oder eine Mailbox weitergeleitet werden soll. Fehler im Routing-Plan führen unweigerlich zur Fehlleitung von Anrufen. Die Akzeptanz dieses an sich durchaus sinnvollen Dienstes ist konsequenterweise nie besonders hoch gewesen.
Zur Vermeidung der Probleme mit unterschiedlichen Informations- und Messaging-Diensten wurden UMS (Unified Messaging Services) Dienste entwickelt. Bei der Mehrzahl dieser Lösungen handelt es sich um Software-gestützte Angebote, die mit ähnlichen Problemen kämpfen müssen wie die 0700er Rufnummern. Die nicht angenommenen Rufe müssen an den UMS-Server weitergeleitet werden, d.h. sie müssen aus dem jeweiligen Zielnetz der UMS-Plattform zugeführt werden. Hierfür fallen mindestens die Interconnection-Kosten an, die z.B. beim Übergang vom Mobilfunk ins Festnetz nicht gerade preisgünstig sind. Da die UMS-Plattform i.d.R. nur im Falle der Nichterreichbarkeit oder im Besetztfall angesprochen wird, entfällt der Aufwand des Routings mit der „Follow-me“-Funktion wie beim 0700er Dienst. Da der Angerufene beim Einsatz einer UMS-Lösung weiterhin verschiedene Rufnummern neben der 0700-Rufnummer nutzt, bleibt ihm der Umgang mit mehrfachen Nachrichten nicht erspart.
Die Kombination der verschiedenen Informationszugänge, wie z.B. Sprachnachrichten aus verschiedenen Netzen, Fax-Sendungen und Emails auf einer Plattform hat für den Anwender grundsätzlich erhebliche Vorteile gegenüber der Alternative mit verteilten Informationen. Neben den Kosten für den Betrieb der UMS-Plattform und den Weiterleitungskosten können allerdings die Performance und die Verfügbarkeit eines eigenständigen Systems Hinderungsgründe für den Einsatz sein. Zumindest für die professionelle Nutzung sind Schutzvorkehrungen gegen einen Verlust von Informationen und einen unerlaubten Zugriff zu schaffen.
Konvergente Anschluss-Netze?
Eine nahe liegende Lösung zur Vereinfachung der Kommunikation wäre die Bündelung der genutzten Dienste über einen gemeinsamen Netzzugang. Da die Mobilität ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, könnte dies eigentlich nur der Mobilfunkanschluss sein, der als „persönlicher“ Anschluss auf einen individuellen Nutzer ausgerichtet ist und jederzeit mobil verwendet werden kann. Die derzeitigen Datenbandbreiten werden im Laufe der Zeit weiter steigen, da aber lizenzgebundene Funkfrequenzen ein knappes und nicht beliebig vermehrbares Gut darstellen, kann der heute im Festnetz für Sprache und Datenkommunikation anfallende Verkehr auch in Zukunft ganz sicher nicht ausschließlich von einem Funknetz bewältigt werden.
Im Gegenteil kommen eher weitere neue Access-Netze hinzu, die einen breitbandigen Zugang bieten. Dieses sind z.B. die Kabel-Verteilnetze für Fernsehprogramme, die aufgerüstet werden, um neben der TV-Übermittlung breitbandige Internetzugänge und Telephonie zu ermöglichen. In Deutschland spielt der Zugang per Kabel-Modem noch eine untergeordnete Rolle, in anderen Ländern sieht dies längst ganz anders aus. Neben den Kabel-Netzen entstehen mit breitbandigen Funknetzen (WiFi, WLAN, WiMAX, UMTS-TDD) weitere Alternativen, die den Internetzugang portabel oder später auch vollständig mobil machen. Aufgrund der Kapazitäts-Begrenzungen im Mobilfunk ist eine Konvergenz in den Anschlussnetzen selber nicht zu erwarten und auch nicht sinnvoll, insbesondere unter Berücksichtigung des steigenden Datenvolumens und des Bedürfnisses an Orts-unabhängiger Nutzung. Die Konvergenz wird also eher im Dienste-Bereich zu erwarten sein.
Telephonie auf IP-Basis
Breitbandige Internetzugänge für DSL-Dienste und Telephonie bedienen sich im Festnetz des gleichen Zugangs, nämlich der Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Funkgestützte breitbandige Netzzugänge, z.B. nach dem WiMAX-Standard, die einen entbündelten Zugang ermöglichen, spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Die Übertragung der Dienste erfolgt ebenfalls unterschiedlich, paketvermittelt nach einem IP-Protokoll oder leitungsvermittelt (über SS7 Schnittstellen) für analoge und ISDN-Telephonie.
Mögliche Netzübergänge vom Nutzer bis zum Terminierungsziel

Man spricht von paketvermittelten Gesprächen oder Verbindungen, wenn für die Verbindung (Session) keine feste Leitung zwischen Anrufendem und Angerufenen aufgebaut wird, die während der Dauer des Gespräches exklusiv gehalten wird. Für die Paketvermittlung eignen sich nur digitalisierte Informationen (Sprache oder Daten). Diese Informationen werden beim Sender in einzelne Pakete mit in der Regel fester Bit-Länge zerlegt und unabhängig von allen anderen Datenpakete über im Netz verfügbare Leitungen geschickt. Diese Form der Übertragung ist typisch für Anwendungen nach dem IP-(Internet Protocol) Standard. Damit die einzelnen Datenpakete über verzweigte Netzwerke zum richtigen Ziel geleitet werden können, wird Ihnen eine Information über den Absender und die Zieladresse in einem Vorspann des Paketes (Header) mitgegeben. Anhand der Zieladresse entscheidet jede Vermittlung, über die das Paket läuft, auf welchem Wege das Paket weiter geschickt wird.
Damit die einzelnen Pakte am Ziel wieder in der richtigen Reihenfolge “zusammengesetzt” werden kann, enthält jedes Paket eine individuelle Nummer. Um Bit-Fehler in den Paketen erkennen und möglicherweise sogar reparieren zu können, erhält jedes Datenpaket eine Prüfnummer, die aus den einzelnen Informationsinhalten des Paketes nach einem vorgegebenen Algorithmus gebildet wird. Die Zerlegung der Daten in einzelne Pakte, die Übertragung und erneute Zusammensetzung zu den ursprünglichen Informationen erfolgt so schnell, dass Sprache (abhängig von der Netzqualität) ohne zeitliche Verzögerung übertragen werden kann. Nur bei weniger hochwertigen Verbindungen können sich die Laufzeit und ein verstärktes Rauschen bemerkbar machen. In der Frühzeit der VoIP-Nutzung konnte dieser Effekt häufiger festgestellt werden.
Die Effizienz eines Netzes mit Paketvermittelung ist bei einer Sprachverbindung um ein Vielfaches höher als bei leitungsvermittelt arbeitenden Netzen. Bei “Ruhe” und Gesprächspausen auf der Leitung werden eben keine Datenpakete übertragen. Die Effizienzsteigerung kann durchaus bei einem Faktor 10 und höher liegen. Bei Datenübertragungen hängt der Effizienzgewinn natürlich von der Art der Nutzung ab und ist bei einem Filetransfer niedriger als bei einem Email-Austausch. Aufgrund der höheren Effizienz sind typischerweise die Kosten für den Betreiber und in der Folge auch die Preise für den Nutzer niedriger als bei leitungsvermittelten Gesprächen. Die typische Preisstruktur ist volumenorientiert (d.h. abhängig von der übertragenen Datenmenge) und nicht zeitabhängig. Natürlich sind auch Flatrate Preise möglich.
Der IP-Standard wird sich aufgrund der höheren Effizienz mittelfristig durchsetzen und die leitungsvermittelte Übertragung verdrängen. Dies bringt erhebliche Vereinfachungen in der Netzinfrastruktur und dann wird die IP-Telephonie zum zukünftigen Standard (wobei noch offen ist, ob es sich dabei um die heutige VoIP-Lösung nach SIP-Protokoll handeln wird). Wenn sich dabei auch die Übertragungskosten annähern, entfällt für viele Nutzer der Anreiz, VoIP neben dem eigentlichen Festnetzanschluss (TAL oder Mobilfunk) zu nutzen. Bekannte Features aus dem VoIP-Umfeld, wie z.B. einfache Telefonkonferenzen, Dateiaustausch parallel zum Gespräch und Instant-Messaging Dienste, werden dann standardmäßig verfügbar sein.
Im Festnetz ist die Konvergenz in Richtung einer IP-basierten Übertragung abzusehen und auch der Mobilfunk wird hiervon nicht unberührt bleiben. Die (eingeschränkt) breitbandige Funkübertragung nach dem UMTS-Standard erlaubt heute schon den Zugriff auf das Internet. Es ist damit zu rechnen, dass VoIP über Browser-Basierte Lösungen auch im Mobilfunk Einzug nehmen wird. Diese Nutzung wurde bislang durch die Zeit- oder Volumen-abhängige UMTS-Tariffierung gebremst. In Verbindung mit Flate-Rates, die seit 2006 angeboten werden, wird die VoIP-Telephonie über den Datenkanal zunehmen. Allerdings sind die heutigen VoIP-Protokolle sehr empfindlich gegenüber Bandbreitenschwankungen, sodass insbesondere bei einer nicht stationären Nutzung (z.B. im Auto oder im Zug) mit einer schlechten Sprachqualität durch Hall und hohe Latenz zu rechnen ist. Dies wird sich mit Erführung von neuen Protokollen und HSDPA als „UMTS-Beschleuniger“ in absehbarer Zeit verbessern. Für die Mobilfunknetzbetreiber ist dies sicher kein wünschenswertes Szenario, da bislang mit der Sprachübertragung auf der Basis von zeitabhängigen Tarifen gute Umsätze und Erträge zu erwirtschaften waren. Diese könnten weitgehend entfallen, wenn der Nutzer nur noch eine Daten-Flate-Rate nutzt und die Sprachkommunikation ausschließlich über VoIP abwickelt. Daher versuchen e-plus und Vodafone die VoIP-Nutzung in ihren Netzen zu unterbinden.
Die Verwendung von Rufnummern (wie z.B. beim VoIP-Anbieter SIP-Gate) gegenüber der Verwendung von User-Namen, wie bei Skype, ist im Massenmarkt eher kompatibel zu den bisherigen Gewohnheiten. Die Terminierung von Gesprächen im eigenen Netz wird aber auch bei einer weiteren Verbreitung von VoIP bei Daten-Flat-Rates eine wichtige Einnahmequelle für die Netzbetreiber bleiben. Diese Terminierungsentgelte liegen bei ca. 12 Cent in den D-Netzen und bei 14 Cent in den E-Netzen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie lange der Regulierer diese Höhe der Entgelte akzeptiert.
Da mittlerweile auch im Mobilfunk für die Sprachübertragung erste Flate-Rates angeboten werden (z.B. von e-plus unter der Marke „base“), wird hier vermutlich bereits eine Entwicklung in diese Richtung antizipiert. Immerhin bietet die Mobilfunk-Nutzung für IP-Telefonate die Chance zur Reduktion der Telefonnummern-Vielfalt. Die Vergabe einer „geographischen“ Rufnummer für den IP-Telefonnutzer ermöglicht, diese als Haupt-Rufnummer zu kommunizieren. Der Anrufer muss dann nicht mehr überlegen, ob der Angerufene sich im Büro oder zuhause befindet oder mobil unterwegs ist. Damit könnte auf einen Schlag eine Reihe von Rufnummern entfallen. Die Voraussetzung für die Umsetzung dieser Vision ist, dass der VoIP-Anbieter eine Anbindung an die Datenübertragung per UMTS realisieren kann und für die Endgeräte vergleichbare Browser-basierte Softclients verfügbar sind, wie sie heute für VoIP-Telefonie über den PC eingesetzt werden. Unter dieser Voraussetzung ist mithilfe der IP-Übertragung eine im Vergleich zu den oben erwähnten 0700er Diensten verbesserte Lösung möglich. Vielleicht ist VoIP-Rufnummer über kurz oder lang sogar die individuelle und universell nutzbare Rufnummer und löst sowohl Festnetz- als auch Mobilfunkrufnummern ab?
VoIP-Verbindungen über Netzgrenzen hinweg erfordern eine komplexe Organisation

Bei diesem Szenario übernimmt der VoIP-Anbieter die Kundenbeziehung für den Sprachdienst und kann mit UMS und Messaging weitere Dienste anbieten. Die Festnetz- und Mobilfunknetzbetreiber stellen dabei entweder nur den Übertragungsweg nach dem Interconnection-Regime zur Verfügung oder werden selber zum Komplettanbieter mit VoIP und Email-Angebot. Der Kundenzugang wird bei diesem Geschäftsmodell zu dem entscheidenden Erfolgsfaktor, da der einzelne Nutzer im Extremfall nur noch einen Anbieter für den Sprachdienst braucht. Die heute benötigten Netzzugänge zum Fest- und Mobilfunknetz werden dabei aber nicht überflüssig, da der Dienst ein oder mehrere Übertragungs-Medien für die Zuführung und Terminierung von Gesprächen benötigt. Die Vertragsverhältnisse für die Nutzung der Access-Netze müssen entweder weiterhin vom Nutzer individuell abgeschlossen werden, oder ein MVNO (Mobile Virtual Network Operator) bietet diese über Wholesale-Vereinbarungen mit den Access-Netzbetreibern gleich als Paketlösung mit an. Der MVNO als Netzbetreiber ohne eigene Anschlussnetze ist bislang nur im Mobilfunk bekannt und auch dort bislang eher in der Form eines Discountanbieters. In dem skizzierten Szenario könnte dem MVNO eine neue Bedeutung zukommen, da er als Betreiber eines Sprachdienstes, den er in unterschiedlichen Anschlussnetzen verfügbar macht, eine aus Kundensicht zentrale Funktion einnehmen kann.
Die Preisgestaltung für einen solchen Konvergenzdienst ist heute noch offen. Die Telephonie wird hierbei aber kaum kostenfrei sein, wie es bei einigen VoIP-Angeboten eine Zeitlang üblich war. Wenn man die Flate-Rates für die breitbandige Datenübertragung zugrunde legt, muss der Anbieter für die nutzungsabhängigen Kosten aufkommen, z.B. die Nutzung der Infrastruktur des MVNO, die Interconnection-Gebühr bei netzübergreifenden Gesprächen sowie für die mögliche Terminierung zu traditionellen Anschlüssen, für internationale Gespräche und Anrufe zu Servicerufnummern. Der mit Flate-Rates auf den Markt gehende Anbieter muss sehr genau kalkulieren, ob er bei dem Nutzungsverhalten seiner Kunden noch Gewinne machen kann. Bei IP-Gesprächen ist derzeit die technische Umsetzung für Anrufe zu Notruf- und Servicerufnummern offen. Ein ebenfalls noch zu lösendes technisches Problem bei VoIP liegt in der Abhörsicherheit der Verbindung und bei der Umsetzung des richterlich angeordneten Mithörens von Anschlüssen.
Zu vermuten ist, dass für Gespräche in nationale Mobilfunk- und Festnetze (mit Ausnahme von Anrufen zu Sonderrufnummern) eine gemeinsame Flate-Rate für Netzzugang, Datenvolumen und Telephonie angeboten wird. Möglicherweise wird dies auch im internationalen Telefonverkehr gelten, wenn die jeweiligen nationalen Netze ebenfalls IP-basiert umgerüstet sind. Auf jeden Fall dürfte die IP-Telephonie aber billiger angeboten werden als die heutigen leitungsvermittelten Gespräche im Mobilfunk. Aufgrund der heute schon sehr niedrigen Tarife im Festnetz ist durch eine IP-Übertragung hier kaum mit weiteren Preissenkungen zu rechnen. Wahrscheinlich werden unterschiedliche Paketangebote für verschiedene Nutzerprofile und Service-Levels für eine breite Angebotspalette sorgen.
Da viele Nutzer die Abhängigkeit von nur einem Anbieter für alle Dienste scheuen, wird es neben der Vollintegration auch zukünftig weiterhin die Möglichkeit geben, die einzelnen Module separat zu buchen, z.B. verschiedene Access-Varianten, Sprach- und Emaildienste sowie Informations- und Inhaltespakete. Die Angebotsvielfalt wird auch mit Konvergenzdiensten sicher nicht verloren gehen. Selbst bei sonst gleichen Preisen im Vergleich zur heutigen Situation (Festnetz) dürften die Vorteile für die meisten Nutzer den Ausschlag geben, ein konvergentes Sprachtelefonangebot zu nutzen. Wie schon erwähnt, sind noch einige Hürden zu überwinden, bevor die Vision zur Innovation werden kann. Insbesondere wäre eine aktive Rolle der Mobilfunknetzbetreiber für die Umsetzung notwendig.
Erweiterung der Breitbandnutzung mithilfe von UMA
UMA (Unlicensed Mobile Access) ist eine Technologie, die dem Anwender den Zugang zu GSM- und GPRS-Diensten auch über nicht-lizenzpflichte Funknetze (Bluetooth, WiFi, WLAN, etc.) ermöglicht. Unter Verwendung von UMA kann der Nutzer mit einem UMA-fähigen Dual-Mode-Endgerät unterbrechnungsfrei zwischen öffentlichen Zellularfunknetzen und nicht-lizenzpflichtigen (öffentlichen oder privaten) Netzen wechseln. Damit kann die Nutzung der mobilen Breitbandanwendungen auch an solchen Orten erfolgen, an denen die Netzabdeckung der öffentlichen Netze nicht ausreicht, oder an Orten, an denen der Nutzer die Vorteile eines privaten, lizenzfreien Netzes nutzen will. UMA ist eine Konvergenz-Technologie, die dem Nutzer die transparente Dienste-Nutzung über bislang inkompatible Zugangsnetze ermöglicht.
Für die Organisation braucht UMA eine zusätzliche Netzinfrastruktur-Komponente, den UNC (UMA Network Controller). Bei der Anmeldung über das Endgerät wird automatisch der UNC angesprochen, um eine Authentifzierung vorzunehmen und die Autorisierung für den Zugriff auf das GSM-Netz vom HLR anzufragen. Wird der Anwender erkannt und der Zugriff zugelassen, erfolgt eine Meldung an das HLR (Home Location Register) im GSM-Netz und der neue Standort des Nutzers wird dort eingetragen. Danach wird der mobile Sprach- und Datenverkehr über das lizenzfreie Netz geführt. Verlässt der Nutzer den Abdeckungs-Bereich des nicht-lizenzpflichtigen Netzes, so organisiert der UNC das Roaming zu dem Zellularfunknetz, in dem der Anwender angemeldet ist. Im Falle des Roamings erfolgt ein Handover, so dass Gespräche oder eine Datenkommunikation unterbrechungs- und verlustfrei fortgesetzt werden können. Roaming und Handover erfolgen für den Nutzer transparent.
UMA bietet ein interessantes Anwendungspotenzial, da mit demselben (Dual-Mode) Endgerät und unter der gleichen Benutzeroberfläche Dienste über IP-Zugangsnetze (DSL, Breitbandkabel, WiMAX, Fiber-to-the-Home, …) mithilfe einer WiFI- oder Bluetooth-Anbindung genutzt werden können wie über das öffentliche Zellularfunknetz. Für den Mobilfunkbetreiber hat dies den Vorteil, dass eine „Allways-on“ Funktionalität mit ständiger Online-Präsenz des Nutzers und die Nutzung von Multimediadiensten mit hoher Bandbreite bei der Anbindung über den alternativen Zugang kein knappes (und teures) Frequenzspektrum aus dem Mobilfunk abziehen.
UMA wird durch eine Gruppe von Herstellern unterstützt und vorangetrieben, die gemeinsam offene Spezifikationen entwickelt haben und Entwicklern von Multimediadiensten zur Verfügung stellen. Zu den UMA unterstützenden Unternehmen gehören Alcatel, BT, Cingular, Ericsson, Kineto Wireless, Motorola, Nokia, Nortel Networks, o², Research in Motion, Rogers Wireless, Siemens, SonyEricsson, T-Mobile US. Die vertretenen Unternehmen sprechen für einen Erfolg dieser Konvergenztechnologie. Gegen eine schnelle Verbreitung spricht dagegen die Tatsache, dass der Nutzer ein neues UMA-fähiges Mobilfunkgerät benötigt. Die Durchdringung dauert also mindestens so lange, bis die alten Endgeräte ausgetauscht sind. 2006 kamen die ersten UMA-fähigen Handys auf den Markt.
SMS, MMS und IM
Heute stellt der SMS-Dienst (Short Message Service) für die Mobilfunkanbieter ein hoch attraktives Geschäft mit hohen Ergebnisbeträgen dar. Dabei hat bei der Einführung vor über zehn Jahren eigentlich nur das Unternehmen Materna an den Erfolg geglaubt. Die in den letzten Jahren mit der Öffnung der UMTS-Netze eingeführten MMS-Dienste (Multimedia Messaging Services), die eine multimediale Erweiterung der verschickten Nachrichten ermöglicht, also z.B. das Mitschicken von Photos, haben dagegen bislang keine besondere Akzeptanz gefunden. Die Kernzielgruppe der SMS-Nutzer (Jugendliche bis 25 Jahre) hat offensichtlich insbesondere Bedarf an kurzen Textnachrichten.
Im Festnetzbereich ist das Pendant zu SMS schon heute der synchrone IM-Dienst (Instant Messaging), der von verschiedenen Portalbetreibern angeboten wird und sich einer steigenden Beliebtheit erfreut. Neben der Internet-Connectivity z.B. mit einer Flate-Rate fallen bei der Nutzung von IM keine weiteren Kosten an, insbesondere keine auf die Einzelnutzung bezogene Berechnung, wie dies bei SMS heute der Fall ist. Allerdings handelt es sich bei Instant Messaging im Vergleich zum zeitversetzten SMS-Dienst in der Regel um eine synchrone Kommunikation.
Mit der Einführung einer Flate-Rate für UMTS-Datendienste scheint es wahrscheinlich, dass IM über Browser-basierte Clients auch im Mobilfunk Einzug hält. Für den Nutzer ist eine ähnlich spontane Kommunikation mit Kurznachrichten möglich wie mit SMS und dies ohne zusätzliche Kosten. Zudem trägt diese Entwicklung zur Dienstekonvergenz bei, da der gleiche Nutzername für Instant Messaging in Festnetz und Mobilfunk verwendet werden kann. Die wirtschaftliche Entlastung der Nutzer geht dabei einseitig zu Lasten der Mobilfunknetzbetreiber. Als „Gegenposition“ ist der vermutlich steigende UMTS-Datenverkehr zu rechnen. Je mehr Dienste über den Datenkanal abgewickelt werden können, umso attraktiver wird der Umstieg von GSM auf UMTS!
IMS für IP-basierte Dienste
Insbesondere im Bereich Messaging, aber auch für Dienste und Anwendungen auf mobilen PCs besteht ein sehr großer Bedarf an transparenter Konvergenz von Diensten. Die unterschiedlichen Protokoll-Welten für IP z.B. mit SIP (Session Initiation Protocol) und „traditionelle“ Telekommunikation (z.B. SS7) haben bisher die Akzeptanz von Breitbandanwendungen gebremst. Seit einigen Jahren liegt die Spezifikation des „IP Multimedia Sub-Systems“ (IMS) von der 3GPP vor, das dieses Problem lösen und die Unterschiede aus Anwendersicht beseitigen soll. Die IMS-Architektur enthält zwei zentrale Funktionen:
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HSS (Home Subscriber Server) integriert verschiedene Funktionen, die teilweise auch bereits im HLR (Home Location Register) enthalten sind
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CSCF (Call Session Control Function) dient als primäre Signalisierungs-Funktion im Netz für die Diensteabwicklung
Die Architektur von IMS führt zu einer klaren Zuordnung von Funktionen. Die Vermittlungsknoten, die in einem gemischten Netz aus IP-basierten Servern und leitungsvermittelten Switches bestehen, werden auf ihre Aufgaben in der Übertragungs- und Vermittlungsebene konzentriert. Alle Schnittstellen für die Provisionierung, Abrechnung und Pflege der Applikationen werden in der Diensteebene zusammengefasst, so dass eine Doppelung von Zuständigkeiten (und damit auch die Konfliktgefahr) im Netz vermieden wird. Die Zuordnung zu den Ebenen folgt dabei der Systematik des OSI-Schichtenmodells (Open Systems Interconnection), das für eine Strukturierung des Kommunikationsablaufs 7 Ebenen definiert:
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Schicht 1: Bitübertragung
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Schicht 2: Sicherungsschicht
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Schicht 3: Vermittlung /Network
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Schicht 4: Transport
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Schicht 5: Sitzung / Session
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Schicht 6: Darstellung / Presentation
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Schicht 7: Anwendung / Application
Mithilfe von SIP werden Nutzungs-Sessions gemäß folgender Schritte abgewickelt:
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Session Initiation – in diesem Schritt signalisiert das Endgerät den Bedarf für eine Nutzungs-Session und das Netz liefert eine Ortungsinformation
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Session Description – mithilfe des SDP (Service Description Protocol) wird eine Beschreibung der Anwendung an das Endgerät übermittelt
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Session Management – nach der Freigabe am Endgerät erfolgt der End-to-End Austausch von Inhalten. Hierfür können die Protokolle RTP (Real Time Protocol) oder RTSP (Real Time Streaming Protocol) eingesetzt werden
IMS wird insbesondere durch die Zusammenarbeit zwischen Ericsson und Intel vorangetrieben, die zum Ziel hat, die Entwicklung attraktiver und anwenderfreundlicher Breitband-Applikationen sowohl für Unternehmen wie für Privatanwender voran zu treiben. Die Nutzung über mobile PCs soll zudem sicher und unterbrechungsfrei sein, so dass die Effizienz von Geschäftsprozessen gesteigert werden kann. Ericsson hat bereits erste IMS-basierte Dienste vorgestellt. Anwendungsbeispiele sind neben Messaging-Diensten (die Einbindung von SMS-Nutzer in einen Internet-Chat) z.B. Multi-Party-Gaming-Dienste und andere mobile Breitbandanwendungen. Im Rahmen der Kooperation von Ericsson und Intel werden beide Unternehmen Tools für eine transparente SIP-basierte Entwicklung von Diensten bereitstellen, die von Festnetz- und Mobilfunkteilnehmen gleichermaßen genutzt werden kann. Daneben werden Vorbereitungen für eine Multimedia-Kommunikation im High Definition Standard getroffen.
UMS ermöglicht Konvergenz der individuellen Nachrichten
Der Nutzer von Sprach-Konvergenzdiensten ist für einen Anrufer leichter erreichbar, ohne dass der Anrufer wissen muss, in welchem Netz der Angerufene gerade eingebucht ist. Die verschiedenen heute eingesetzten Voicemail-Boxen und Online-Kalender lassen sich damit zusammenfassen in ein einheitliches System. Ein solcher – zunächst sicher eher für den Geschäftskunden ausgelegter Dienst – kann neben der Verwaltung von Nachrichten, Notizen und Kalenderdaten die Online-Verwaltung aller Kontaktdaten übernehmen – unabhängig vom individuellen Endgerät und zugreifbar aus allen Netzen.
Heute hat der durchschnittliche Telekommunikations-Nutzer für seine verschiedenen Telefongeräte 3-4 verschiedene und voneinander unabhängige Mailboxsysteme für Fest- und Mobilfunk. Für den Anrufer ist nicht ersichtlich, wann der Nutzer die für ihn bestimmte Nachricht erhält und er verschickt seine Nachricht daher oft parallel über verschiedene Kanäle. Der Angerufene hat dann das „Vergnügen“, die gleiche Nachricht zeitversetzt in mehreren Systemen zu empfangen. Email und Fax kommen zusätzlich über andere Wege zum Empfänger. Wie schon der Begriff “Unified Messaging Service” (UMS) andeutet, dient dieser Dienst der Zusammenführung von Nachrichten in unterschiedlichen Formaten und aus unterschiedlichen Ursprungsnetzen. Der Nutzen liegt für den Anwender in der schnellen Verfügbarkeit von Informationen über eine gemeinsame Plattform und die komfortable Verwaltung dieser Informationen.
In der heterogenen Telekommunikationswelt nutzt der typische Geschäftskunde heute neben dem Festnetzanschluss im Büro (und zusätzlich oft auch im Homeoffice) mindestens einen Mobilfunkanschluss, hinzukommen Faxanschlüsse und oft. mehrere Email-Zugänge. Der Zugang zu den verschiedenen Nachrichten-Systemen ist meist nicht über ein gemeinsames Gerät an einem Ort möglich. Um die verschiedenen Nachrichten zumindest in begrenztem Rahmen zusammen zu führen, ist die Weiterleitung von Gesprächen an andere Anschlüsse erforderlich und ein Endgerät, das in der Lage ist, unterschiedliche Protokollstandards zu verarbeiten. Mit einfachen Mitteln wird kaum gelingen. IMS ist allerdings ein Schritt in diese Richtung.
Daher werden zur Lösung intelligente – und entsprechende aufwändige – UMS-Server erforderlich. Diese Plattformen können entweder von dem jeweiligen Unternehmen selber betrieben werden oder von Dienstleistern, die den UMS-Dienst als Outsourcer dann mehreren Kunden zur Verfügung stellen und nach unterschiedlichen Preismodellen abrechnen. Mithilfe der UMS-Plattform können die auf unterschiedlichem Wege eingegangenen Nachrichten über einen Zugang und oft auch unabhängig vom aktuellen Ort des Benutzers und unabhängig von einem speziellen Endgerät abgerufen werden. Dies stellt eine erhebliche Erleichterung im Kommunikationsablauf dar und verkürzt die Reaktionszeiten. Die UMS-Plattform ist typischerweise in der Lage, die Adressbuch-Verwaltung mit zu übernehmen und dem Nutzer die Erfassung von Notizen zu ermöglichen. Die Benutzeroberfläche kann flexibel ausgestaltet sein, von der einfachen Steuerung über Touchtone-Signale bis zur Sprachsteuerung mit sprecher-unabhängiger Erkennung von Befehlen und Sätzen.
Voraussetzungen für einen Einsatz
Unified Messaging (UMS) ist für Unternehmen insbesondere dann interessant, wenn Informationen regelmäßig über unterschiedliche Kommunikationswege ins Unternehmen kommen und die schnelle Verfügbarkeit bzw. die kurzfristige Reaktion auf die Informationen ein wichtiger Erfolgsfaktor im Geschäftsprozess sind. Dies kann u.a. im Vertrieb bei der Angebotsabgabe der Fall sein, im Kundenservice und bei der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern, aber auch bei der Beschaffung knapper Güter mit hoher Preisdynamik. UMS als Konvergenzdienst kann die Lösung für die Zusammenführung der verschiedenen Nachrichten sein. Allerdings erschweren die Anbindung und Weiterleitung über Netzgrenzen hinweg heute die Nutzung solcher Lösungen, die nicht im Netz selber angesiedelt sind. Damit ein Unternehmen tatsächlich einen wirtschaftlich messbaren Vorteil aus dem Einsatz von UMS ziehen kann, müssen sich quantifizierbare Vorteile in den Geschäftsabläufen ergeben. Daher ist UMS für Unternehmen oft nur dann mehr als eine technische Spielerei, wenn gleichzeitig die internen Prozesse angepasst werden.
Kauf und Eigenbetrieb einer UMS-Plattform?
Wenn ein Unternehmen über die Einführung von UMS nachdenkt, sollte zunächst eine Prozessanalyse durchgeführt werden, um zu überprüfen, wie die Geschäftsabläufe mit Unified Messaging gestrafft und optimiert werden können. Auf dieser Grundlage sind die Auswirkungen (mehr Aufträge, Wettbewerbsvorteile, höhere Kundenzufriedenheit, Einsparung von Wegen und Arbeitszeiten, höhere Arbeitseffizienz) zu quantifizieren, um besser beurteilen zu können, ob sich die Einführung lohnt. Wenn das Know-how hierfür nicht im eigenen Unternehmen vorhanden ist, kann die Unterstützung einer externen Beratung hin zu gezogen werden.
UMS-Lösungen für professionelle Anwender erfordern eine aufwändige Infrastruktur

Bei der Entscheidung zum Kauf einer eigenen Plattform ist der Anbieter auszuwählen, der die spezifischen Anforderungen aus der Prozessoptimierung am besten abdeckt. Dabei sind neben der Erfüllung des Pflichtenheftes und der Fähigkeit, alle möglichen Nutzer im Endausbau ab zu decken, die Flexibilität bei der Änderung von Dienste-Parametern und eine hohe Verfügbarkeit des Dienstes wichtige Kriterien. Die Kosten für den Kauf einer solchen Plattform reichen vom 4-stelligen bis weit in den 5-stelligen Bereich. Je nach Anforderungen ist eine kunden-spezifische Anpassung erforderlich und natürlich die Implementierung im Unternehmen mit der Anbindung an die vorhandenen TK- und IT-Systeme. Zu den Anschaffungs- und Einrichtungskosten kommt der Aufwand durch den laufenden Betrieb (typischerweise durch eigenes Personal) und die laufende Softwarepflege hinzu.
Vorteile durch ein Outsourcing
Neben dem Kauf einer eigenen Plattform ist Outsourcing eine Alternative, die in vielen Fällen Vorteile gegenüber dem Kauf und eigenen Betrieb hat. Gerade für kleinere Unternehmen bietet das Outsourcing den Vorteil, dass der UMS-Dienst auf einer Plattform betrieben werden kann, die für ein einzelnes Unternehmen alleine viel zu aufwändig und teuer wäre. Durch den Multi-Klienten Betrieb kann eine solche Lösung trotzdem wirtschaftlich angeboten werden.
Als Outsourcing-Anbieter kommen spezialisierte IT-Dienstleister infrage, die UMS als ASP- (Application Service Provider) Lösung von ihrem Rechenzentrum aus betreiben. Dies könnte auch ein Geschäftsmodell für einen Mehrwertdienste-MVNO sein, sofern nicht die Netzbetreiber selber entsprechende Lösungen entwickeln und in ihr Angebot integrieren. Der im Konvergenz-Markt tätige MNO (Mobile Network Operator) / MVNO betreibt ein eigenes Kernnetz sowie eigene HLR (Home Location Register) und kauft die Übertragungsleistung von anderen Access-Netzbetreibern ein. Er kann aber auch IP-Netze anbinden, so dass er ebenso Email-Nachrichten in seinen UMS-Dienst aufnehmen kann. Für die TK-Anbieter ist UMS ein weiterer Mehrwertdienst, der bei sinkenden Margen mit Basisdiensten hilft, die Wertschöpfung zu steigern und gleichzeitig die Kapazitäten des Netzes besser auszulasten. Die Angebote von IT-Dienstleistern und TK-Unternehmen werden sich in der Ausgestaltung von Leistungsspektrum und Konditionen deutlich unterscheiden, so dass sich ein Vergleich auf jeden Fall empfiehlt.
Gründe für bislang schwache Marktdurchdringung
Die Verbreitung von UMS wird bislang im Wesentlichen durch zwei Gründe behindert. Zum einen ist dies der Kostenaspekt. Die Weiterleitung von Gesprächen über Netzgrenzen hinweg, insbesondere zwischen Mobilfunk und Festnetz, ist heute noch recht teuer (Interconnection-Gebühren) und muss von dem Unternehmen getragen werden, das angerufen wird – also dem den UMS-Dienst nutzenden Unternehmen. Dadurch fallen für das Unternehmen alleine an Gesprächsgebühren genauso viel oder sogar noch höhere Kosten an, wie der Anrufer schon selber zahlt! Dazu kommen natürlich noch die Kosten für Anschaffung oder Miete der Plattform und die laufenden Betriebskosten. Anschaffung und Betrieb sind relativ teuer und daher muss UMS dem Unternehmen signifikante Vorteile bringen. Mit dem in nächster Zeit anstehenden Übergang von der Leitungsvermittelung zur Paketübertragung im Festnetz (vermutlich auf Basis eines IP-Protokolls), werden die Übergänge zwischen verschiedenen Netzen technisch vereinfacht und somit auch kostenseitig günstiger. Die Bedeutung dieses Hinderungsgrundes wird also tendenziell abnehmen.
Der zweite Hinderungsgrund liegt in Verfügbarkeit und Performance der angebotenen IT-Plattformen, die in der Vergangenheit eher dem Internet-Prinzip des „best-effort“ entsprechen, als den gewohnt hohen Verfügbarkeiten im Telekommunikationsmarkt. Wenn die übermittelten Informationen für das Unternehmen wichtig sind und Schnelligkeit ein Erfolgsfaktor ist, dann ist „carrier-grade“ als Verfügbarkeitsstufe eine wichtige Anforderung. Auch die Sicherheit und Dokumentation der Datenhaltung in Back-up Rechenzentren bzw. die Absicherung gegen einen ungewollten Datenverlust und Abhören sind wichtige Aspekte bei einer Systementscheidung. Für den Email-Verkehr sind Vorkehrungen gegen Hackerangriffe, Viren, Trojaner etc. und gegen eine mögliche betrügerische oder unabsichtliche Datenverfälschung zu treffen.
Durchbruch von UMS kommt mit carrier-grade Lösungen
Vieles spricht dafür, dass sich UMS erst in Verbindung mit „carrier-grade“ ausgelegten Lösungen aus dem Telekommunikations-Umfeld breiter am Markt durchsetzen wird. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob der Anbieter ein Netzbetreiber mit eigenem Anschlussnetz ist oder ein virtueller Anbieter nach dem MVNO-Modell. Die höhere Flexibilität und der nicht unerhebliche Aufwand mit der Software-Pflege sprechen dafür, dass für mittelständische Unternehmen Outsourcing-Lösungen eher in Betracht kommen als Kauf und Betrieb einer eigenen Plattform. Für Unternehmen, die in einem dynamischen Markt schnelle Entscheidungen brauchen, wird sich UMS auf jeden Fall schon heute rechnen. Die aufgrund der Konvergenz der Netze zu erwartenden Einsparungen bei der Gesprächsweiterleitung werden die variablen Kosten beim Betrieb deutlich senken. Dann wird der Einsatz von UMS auch für einen breiten Kreis von Unternehmen (und schließlich auch für den privaten Anwender) zum Erfolgsfaktor.
Die Vermarktung bietet insbesondere auch qualifizierten Fachhändlern und Systemhausanbietern gute Chancen, da es sich bei UMS in keinem Fall um ein Produkt „von der Stange“ handelt. Angefangen von der Analyse des tatsächlichen Bedarfs bis zur späteren Implementierung und der Anbindung an SAP und CRM-Systeme fallen Aufgaben an, die das Unternehmen in der Regel selber nicht realisieren kann und der Lieferant oder Outsourcing-Anbieter auch nicht in jedem Fall erbringt.
Triple-play – Konvergenz bis zu den Inhalten
Triple-Play stellt begrifflich die Verbindung von Sprachkommunikation, Internetzugang und Mediennutzung dar. In diesem Sinne wird Triple-Play heute bereits von den meisten Kabelnetz-Betreibern angeboten. Die Konvergenz bleibt hierbei zunächst auf die Tatsache begrenzt, dass die Dienste alle auf dem Wege über das Breitbandkabel in den Haushalt kommen und der Kunde eine gemeinsame Rechnung erhält. Weitergehende Lösungen können in Verbindung mit Video-on-Demand, individualisierten, ortsbezogenen oder auf anderem Wege aufbereiteten multimedialen Inhalten realisiert werden.
Der Konvergenz-Anbieter leistet die Entwicklung, Vermarktung und das Inkasso von eigenen Diensten und kann grundsätzlich auch Transaktionsdienste umsetzen, die für die Abrechnung der Inhalte-Nutzung (Videofilme, interaktives TV, Gaming, … ) eingesetzt werden können. Das Mobilfunkgerät übernimmt dabei die Rolle eines Auswahl- und Steuerungsinstruments – quasi die Fernbedienung für Triple-Play Dienste. Die Abrufe der Inhalte-Angebote können mithilfe des HLR (Home Location Register) erfasst werden und über die bestehende Vertragsbeziehung zusammen mit anderen Kommunikations-Dienstleistungen in Rechnung gestellt werden. Die Abrechnung der eigentlichen Inhalte-Nutzung erfolgt somit unabhängig von dem Wiedergabe-Gerät und dem Ort der Nutzung.
Informations- und Unterhaltungsinhalte können auf unterschiedlichem Übertragungsweg bereitgestellt werden

Neben dieser Form des Triple-Play wird es auch die mobile Version mit der Wiedergabe der multimedialen Inhalte auf tragbaren Geräten wie z.B. einem Smartphone geben. Der Geschäftsprozess an sich ist hierbei analog, die Inhalte und ihre Aufbereitung werden sich aber von denjenigen für die Festnetz-Nutzung unterscheiden. Zu erwarten ist, dass hier individualisierte Nachrichten, Informationen mit Bezug zum Standort, Auskunfts- und Buchungsdienste sowie interaktive Spiele im Vordergrund stehen werden.
Ein Erfolgsfaktor der Triple-Play Dienste wird neben der Attraktivität und Aktualität der verfügbaren Inhalte die Preisgestaltung sein – wie bei den meisten anderen Telekommunikationsdiensten auch. Ob hierbei eine Abrechnung „per use“ oder über definierte Pakete bis hin zu einer echten Flate-Rate erfolgt, wird von den mit den Inhalte-Besitzer vereinbarten Einkaufskonditionen abhängen, von der Akzeptanz durch die Zielgruppe und nicht zuletzt von der Risikobereitschaft des MVNO als einem möglichen Anbieter. Die allgemeine Tendenz im Markt spricht für das Angebot von Paketen mit festen monatlichen Preisen, da diese für den Verbraucher am ehesten kalkulierbar sind und eine höhere Akzeptanz versprechen.
Erfolgsfaktoren für konvergente Dienste
Die Tatsache, dass sich einige Telekommunikationsdienste in der Vergangenheit nahezu von alleine und mit großem Erfolg entwickelt haben, ist keine Garantie, dass jeder neue Dienst automatisch zum Erfolg wird. Ein Gegenbeispiel ist gerade das breitbandige Mobilfunknetz UMTS, das moderne international standardisierte Mobilfunksystem der dritten Generation. Ohne Frage bietet UMTS eine Reihe von interessanten Dienstemöglichkeiten, es ist nur bislang noch keinem der Anbieter gelungen, zumindest eine “Killer-Applikation” neben Sprache und SMS zu finden. Egal ob MMS oder Videotelephonie, neben Sprache und SMS gibt es bislang keine relevante Applikation und ob mobiles Fernsehen dies sein wird, muss zumindest stark bezweifelt werden. Eine erfolgreiche Umsetzung setzt entweder eine Beschäftigung mit Mikrosegmenten im Markt voraus oder eine weitgehende Öffnung der Wertschöpfungskette der Mobilfunkanbieter für Diensteentwickler und Unternehmen mit einem begrenzten Marktfokus, z.B. MVNOs.
Die weit überzogenen und unrealistischen UMTS-Lizenzkosten in Höhe von über € 50 Mrd. hat der Telekommunikations-Branche erheblichen Schaden zugeführt und auch der Volkswirtschaft nur kurzfristig geholfen, da Sonderabschreibungen und massive Personalkürzungen die Folge waren. Den Netzbetreibern fehlte dieses Geld zur Entwicklung sinnvoller neuer Angebote. Anstatt den Wettbewerb zu fördern (gegenüber des heutigen Oligopols im Mobilfunk), haben sich zwei neue Anbieter schon vor dem Netzaufbau wieder zurückgezogen. Wettbewerbsförderung sieht sicher anders aus! UMTS an sich ist hierdurch natürlich nicht in Frage gestellt und ist und bleibt das Mobilfunksystem der nächsten Zukunft!
Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Beispielen ziehen:
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Nicht jeder TK-Dienst ist automatisch ein Erfolg
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Technikgetriebene Dienste können ein Erfolg werden (Beispiel SMS), müssen es aber keineswegs
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Herstellerinteressen sind keine hinreichende Voraussetzung für einen Erfolg (siehe das aufgegebene Iridium-Projekt von Motorola für ein weltumspannendes Satellitenkommunikationsnetz)
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Ohne Regulierung kann kein Wettbewerb entstehen, aber eine bürokratische Regulierung hilft auch niemandem
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Neue Dienste sollten Anwenderinteressen im Fokus haben – ohne konkreten Nutzen für den Anwender kein Erfolg!
Eigentlich sind dies keine revolutionären Erkenntnisse und sie gelten auch in anderen Märkten. Aber eine Zeitlang konnte man den Eindruck gewinnen, dass in der Telekommunikation, und insbesondere im Mobilfunk, alles möglich ist und jedes neue Angebot automatisch zum Erfolg wird. Hierbei sind die Kapitalmärkte natürlich auch nicht ganz unschuldig, aber für die Umsetzung sind immer noch die TK-Anbieter selbst verantwortlich. Ein anderes Beispiel für eine Fehleinschätzung des Marktes zeigt sich in der Einstellung des von dem Mobilfunknetzbetreiber e-plus betriebenen Portals “i-mode“, das einige Jahren vorher mit großer Euphorie als Einstieg in mobile und interaktive Portale und zur Förderung der Konvergenz von Mobilfunk und Internet gelauncht worden war. Für den Markt und die Mehrzahl der Kunden brachte dieses Portal genauso wenig Nutzen wie die anderen mobilen Portale “Vodafone life“ und „t-zones“. Der gute Erfolg von i-mode in Japan ist letztlich auf andere Gesetzmäßigkeiten zurück zu führen und nicht unmittelbar auf Deutschland übertragbar.
Die Entwicklung und Markteinführung dieser Portale beruht auf einer ähnlichen Fehleinschätzung wie für den gesamten UMTS-Markt. Breitbandige Datenkommunikation per se bietet keinen Nutzen und findet kaum einen Kunden, auch wenn sie denn (nicht ganz so breitbandig) mobil angeboten wird. In diesem Punkt lassen sich Sprach- und Datenkommunikation nicht in einen Topf werfen. Wenn schon breitbandige Datenkommunikation kein eigenständiges Produkt ist, so können solche Applikationen sehr wohl Produkte sein, die sich der breitbandigen Übertragungswege bedienen! Es gibt den Markt für diese Dienste und er wächst sehr stark. Für den Bereich der konvergenten Dienste gilt dies natürlich in gleichem Maße und es gilt aus den Erfahrungen zu lernen.
Im Gegensatz zu dem generischen Produkt „Sprachkommunikation“ müssen konvergente Applikationen speziell für die Bedürfnisse der potenziellen Kunden gestaltet werden. Und je nach Zielgruppe sind die Anforderungen selbst bei solchen Dienste recht unterschiedlich, die wie z.B. Unified Messaging von den Basisfunktionen homogen erscheinen. Unterschiedliche Service Levels, die Integration in bestehende Systeme und Sonderfunktionen für Unternehmen schaffen ein breites Spektrum. Für Informations- und Unterhaltungsdienste gilt dies in gleichem Maße. Die Entwicklung von konvergenten Diensten setzt eine Beschäftigung mit teilweise sehr kleinen Zielgruppen voraus! Die Segmentierung selber kann nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen, z.B. nach Zugehörigkeit zu Vereinen, ethnischen Gruppen, Anhängern von Sportarten oder Hobbys. Es ist unstrittig, dass es einen Bedarf an Diensten gibt, die für die jeweilige Zielgruppe einen Nutzen erzeugen. Ob der vorhandene Bedarf für diese Dienste, die Größe der Zielgruppe, der quantifizierbare Nutzen und die Kosten für die Erzeugung des Dienstes eine wirtschaftliche Umsetzung ermöglichen, ist im Einzelfall zu prüfen. Die Versendung von MMS mit Urlaubsphotos aus dem Ausland für einen Preis von € 2-3 ist offensichtlich für den durchschnittlichen Mobilfunknutzer im Vergleich zu dem empfundenen Nutzen zu teuer!
Das kommerziell erfolgreiche Angebot von konvergenten Diensten setzt somit das Erfüllen einiger Erfolgsfaktoren voraus:
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Die Anwendung muss technisch erprobt sein und darf nur minimale Ausfallwahrscheinlichkeiten haben
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Für den Nutzer muss der Dienst einen objektiven oder zumindest gefühlten (emotionalen) Nutzen haben, der sich quantifizieren lässt und einen Mehrpreis zu rechtfertigt
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Die Pflege und Aktualisierung der angebotenen Dienste muss sichergestellt sein
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Die Kommunikation und Vermittlung des Nutzen ist ohne größeren Erklärungsbedarf möglich
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Die Anpassung der Schnittstellen zur Nutzung mit unterschiedlichen Endgeräten muss für den Nutzer unmerklich erfolgen (Seamless Communication)
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Der Nutzer muss Vertrauen in den Anbieter und seine Seriosität haben, das Abrechnungssystem muss Sicherheit gewähren
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Das Geschäfts- und Preismodell sollte einfach und transparent für den Anwender sein. Flat-Rate und Paketangebote senken Eintrittsbarrieren
Die Erfüllung der Erfolgsfaktoren stellt hohe Ansprüche an den potenziellen Anbieter und erfordert eine genaue Planung sowie die Durchführung von Marktuntersuchungen und Markttests.
Veränderungen in der Wertschöpfungskette?
Die größten Veränderungen kommen aufgrund von Konvergenzdiensten auf die Netzbetreiber zu. Im Festnetz sind die Preise aufgrund des Wettbewerbs schon heute so niedrig, dass kaum weitere relevante Preissenkungen zu erwarten sind. Allerdings wird für Festnetzanbieter die Migration auf eine IP-basierte Übertragung notwendig, um durch eine verbesserte Kostensituation wieder relevante Margen zu erwirtschaften. Einige Anbieter von ISDN-Flat-Rate-Tarifen behalten sich den Wechsel auf VoIP schon heute vertraglich vor.
Anders sieht dies für den heutigen Mobilfunkbetreiber aus. Durch eine Verlagerung des Gesprächsvolumens hin zur IP-Telephonie wird der Umsatz zurückgehen bzw. es wird eine Verlagerung von der heute üblichen CDR-Abrechnung (Call Data Record) zu Flat-Rates für die Datenkommunikation erfolgen. Die Terminierung von VoIP-Calls könnte als zusätzliche Umsatzquelle bestehen bleiben, allerdings ist die Frage offen, wie lange die Terminierungskosten auf dem heutigen Niveau bleiben. Verschiebt sich gleichzeitig der SMS-Verkehr in Richtung auf Instant Messaging (IM), so steht dem kein – oder zumindest kein vergleichbarer Umsatz – gegenüber. Die Mobilfunkbetreiber könnten also die größten Änderungen in Ihrem Geschäftsmodell erfahren.
Eine weitere Veränderung resultiert vermutlich aus der für Konvergenzdienste weiter steigenden Bedeutung der Kundenbeziehung. Wie oben beschrieben, hat der durchschnittliche Nutzer heute eine Reihe von Verträgen mit unterschiedlichen Anbietern. In Zukunft könnte sich dies reduzieren auf wenige – im Extremfall vielleicht nur noch einen Vertrag mit einem Anbieter! Dieser Anbieter stellt die „individuelle“ Rufnummer für die IP-Telephonie zur Verfügung, sorgt für die Anbindung an die unterschiedlichen Access-Netze und bietet Lösungen für das Management von Nachrichten (UMS) an. Der zukünftige Kunde hätte somit einen Vertragspartner, der ihm eine Lösung aus einer Hand liefert. Triple-Play wird allerdings vermutlich auch in Zukunft eine Sonderrolle spielen, könnte aber theoretisch ebenfalls vom gleichen Anbieter realisiert und angeboten werden.
Da der Kundenbeziehung eine so hohe Bedeutung zukommt, kommen möglicherweise neue Spieler als Anbieter hinzu, die bereits über eine enge Kundenbeziehung verfügen (Banken, Versicherungen, Automobilvereine etc.). Heutige Reseller oder Service Provider mit großem Kundenstamm können sich zum Universalanbieter entwickeln, Citycarrier Mobilfunkdienste mit vermarkten und Unternehmen mit gutem Zugang zu bestimmten Zielgruppen neu in das Geschäft einsteigen. In Teilen ist eine Entwicklung in diese Richtung bereits zu beobachten. Die konsequente Umsetzung der Konvergenzdienste bietet somit sowohl Chancen als auch Risiken – auf jeden Fall wird sich der Telekommunikations-Markt weiter dynamisch entwickeln und verändern!
Konvergente Dienste bieten Innovationspotenzial
Konvergenzdienste werden keine Revolution in der Telekommunikation auslösen, aber mit der Umstellung der netzinternen Übertragung in Richtung auf die Nutzung eines IP-Protokolls können Konvergenzdienste einfacher eingeführt werden. Aus Anwendersicht wird so die Komplexität im Angebot der Telekommunikationsdienste reduziert und es werden sowohl dem Nutzer als auch dem Anrufer Vorteile geboten. Zentrale Bedeutung hat dabei die Reduktion der Rufnummernvielfalt auf wenige Rufnummern. Konvergenzdienste können den Umgang mit Sprach- und Datennachrichten erleichtern, indem alle Nachrichten in einem System zusammengefasst werden, das mit einer einfachen Benutzeroberfläche (z.B. mittels Sprachsteuerung) bedient werden kann. Triple-Play Dienste bringen Sprache, Daten und Medieninhalte zusammen und ermöglichen beispielsweise eine Zweitverwertung von vorhandenen Inhalten. Dabei werden individualisierte und ortsbezogene Informationen ein neues Mehrwertdienste-Segment erschließen.
Eine entscheidende Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung von Konvergenzdiensten wird die IP-Übertragung zur Integration der unterschiedlichen Netze und Protokolle spielen. IP-Telephonie schafft die Voraussetzung für die Konvergenz zwischen Fest- und Mobilfunknetzen, da einerseits durch Kosteneinsparungen in der Netzinfrastruktur und einfachere Netzübergänge niedrige Nutzungspreise und andererseits durchgängige Datendienste möglich werden. Die Sprachtelephonie wird zunehmend auf der Basis von Flate-Rates angeboten werden und die Carrier vor der Aufgabe stehen, zusätzliche Wertschöpfung und Erlöse aus Mehrwertdiensten und der Vermarktung von Inhalten zu erzielen. Die von einigen Mobilfunkanbietern offensichtlich versuchte „Unterdrückung“ bzw. Verhinderung von VoIP-Gesprächen in Verbindung mit Daten Flate-Rates ist zwar auch eine mögliche Reaktion auf die neuen Möglichkeiten. Sie zeigt, wie ernst die Mobilfunkbetreiber diese Entwicklung offensichtlich nehmen. Es ist aber zu bezweifeln, dass dieser Schritt auf Dauer Erfolg haben wird. Sicherlich brauchen die Carrier andere Lösungen, um mit der Herausforderung der IP-Telephonie um zu gehen!
Der entscheidende Erfolgsfaktor für die Wirtschaftlichkeit von Konvergenzdiensten liegt im Nutzen und im Zugang zum Kunden! Möglicherweise kommen neue TK-Anbieter auf den Markt und der Konvergenzanbieter kann eine Reihe der derzeit bestehenden Vertragsverhältnisse ersetzen. Dies wird den Druck auf heutige Anbieter verstärken, schafft aber gleichzeitig hohe Barrieren für solche Neueinsteiger in den Markt, die nicht über einen hochwertigen Kundenzugang verfügen und daher auf die Rolle eines Zulieferers für andere Anbieter reduziert werden. In dieser Hinsicht kann die bestehende Marktstruktur durch das Aufkommen von konvergenten Diensten verändert werden, heute sichere Marktanteile könnten gefährdet sein und Wertschöpfungsanteile werden sich verschieben. Der Aufbruch der Wertschöpfungskette bietet aber den großen Vorteil, dass sich die einzelnen Marktteilnehmer auf ihre jeweiligen Kernfähigkeiten konzentrieren und andere Leistungen als Vorprodukte zukaufen bzw. ihre Leistungen als Vorprodukte an andere Untenehmen verkaufen können.
Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste wird von neuen Diensten insgesamt profitieren. Konvergenzdienste werden innovative Anwendungen für die ständig steigenden Bandbreiten in den Zugangsnetzen schaffen. Durch neue konvergente Lösungen wird die Nutzung von Telekommunikationsdiensten weiter steigen und die zusätzlichen Erlöse aus den Mehrwertdiensten werden die beispielsweise im Mobilfunk für die Sprachkommunikation zu erwartenden Margenverluste vermutlich mehr als kompensieren. Der TK-Markt wird auf diese Entwicklung mit einem weiteren Wachstum reagieren, wie schon bei den früheren Dienste-Innovationen. Die entscheidende Frage für das einzelne Unternehmen wird sein, wie gut es sich für diese Entwicklung aufstellt und in welchem Maße es gelingt, den heutigen Kundenstamm hierfür zu gewinnen oder sogar neue Zielgruppen zu erschließen. Time-to-Market wird auch bei der Umsetzung von Konvergenzdiensten ein wichtiger Erfolgsfaktor sein!
von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack (TelecomDe.com, weitere Informationen zum Autor)


